Julias Lieblingsgedicht

Narina Tsvetaeva


Es sagt mir zu …

Es sagt mir zu, dass Sie nicht mich begehr‘n,

Es sagt mir zu, dass ich nicht Sie begehre,

Und niemals dieser Erdball, groß und schwer,

Uns Halt entzieht und schwebt davon ins Leere.

Wie schön, dass ich – ums Wortspiel nicht bemüht –

Mich albern geben darf und ausgelassen,

Und wenn mein Ärmel Ihren leicht berührt,

Wird mich die Röte wallend nicht erfassen.

 

Wie gut, dass Sie in meiner Gegenwart

In Seelenruh die Andere umarmen,

Und brennen muss ich nicht im Höllenbrand,

Dafür, dass küsse ich nicht Sie – die Andren.

Dass müßig meinen zarten Namen Sie,

Mein Zärtlicher, zu keiner Zeit erwähnen,

Und niemals bei der Hochzeitsliturgie

Wird Halleluja über uns ertönen!

 

Mit Herz und Hand bedanke ich mich sehr,

Dafür, dass Sie – ohne es wahr zu haben! –

Mich lieben: dass ich nachts mich nicht verzehr,

Und wir nur selten uns begegnen abends.

Dass wir bei Mondschein nicht spazieren geh‘n,

Die Sonne nicht für uns scheint, wiederkehrend,

Dafür, dass – leider! –  Sie nicht mich begehr‘n!

Dafür, dass – leider! – ich nicht Sie begehre!