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31.10.2020

Aktuelle Informationen rund um das Coronavirus

Aufgrund der erweiterten Maßnahmen der österreichischen Bundesregierung gegen die Ausbreitung des Coronavirus wird der Vorstellungsbetrieb der Oper Graz von 3. November 2020 bis einschließlich 6. Dezember 2020 eingestellt.

Aufgrund der ab 3. November 2020 geltenden und ab 17. November 2020 erweiterten Maßnahmen der österreichischen Bundesregierung gegen die Ausbreitung des Coronavirus stellt die Oper Graz ihren Vorstellungsbetrieb von 3. November bis einschließlich 6. Dezember 2020 ein. 

Den Wert von bereits gekauften Tickets für Veranstaltungen in diesem Zeitraum bekommen Käuferinnen und Käufer über jene Vorverkaufsstelle, über die das Ticket erworben wurde, in voller Höhe rückerstattet oder auf das Kundenkonto gut geschrieben. Für Abonnentinnen und Abonnenten werden die ausgefallenen Vorstellungen zwischen 3. November und 6. Dezember 2020 in den „Tauschpuffer“ gelegt und können für andere Vorstellungstermine genützt werden. 

Alle Kundinnen und Kunden, die über das Ticketzentrum der Bühnen Graz Tickets für Vorstellungen in diesem Zeitraum erworben haben, werden direkt kontaktiert.

Das Team der Oper Graz dankt allen Besucherinnen und Besuchern für das bisher sehr hohe Interesse in der laufenden Saison.

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30.10.2020

Schönheit und Härte: Floris Visser im Gespräch

Regisseur Floris Visser, der erstmals in Graz inszeniert, im Gespräch über Puccinis „Madama Butterfly“. 

Regisseur Floris Visser, der erstmals in Graz inszeniert, im Gespräch über Puccinis „Madama Butterfly“:  

 

Warum steht „Madama Butterfly“ im Ruf, kitschig zu sein, obwohl das Stück ein sehr gut beobachtetes Psychogramm ist?

Vielleicht hat das mit den kulturellen Prägungen des Publikums und der Kritik in verschiedenen Ländern zu tun. Wir Holländer sind durch unsere calvinistische Prägung von einer gewissen Distanz zu den ganz großen Gefühlen und Gesten gekennzeichnet. Und natürlich gab es im Falle der „Butterfly“ auch viele Aufführungen, die uns ein romantisierendes, allzu realitätsfernes, klischiertes Japan zeigten. Alles ein wenig „over the top“ und gleichzeitig historisch nicht korrekt und alles andere als realistisch. Dabei ging es Puccini genau darum, denn Verismo heißt nicht Edelkitsch. Für mich ist „Madama Butterfly“ ein greifbares Portrait einer Frau und eines ganzen Landes im Konflikt zwischen Tradition und Fortschritt.

 

Wie ist dein Bezug zur japanischen Kultur?

Zwiespältig, sie fasziniert mich und irritiert mich. Ich war drei Mal für einen längeren Zeitraum in Japan, und ich habe mich sofort in das Land und seine Menschen verliebt. Mich faszinieren die japanische Bildende Kunst, der Film, das Theater, die Mode, die Architektur, die Natur … Eigentlich sind fast alle Bereiche des Lebens ästhetisiert, auch die kleinen Dinge des Alltags sind von komplexen Ritualen durchzogen. Und selbst das unvorstellbar grausame Ritual des Harakiris, von zentraler Bedeutung in der Oper, folgt einem strengen Ablauf. Bei allem Sinn für Schönheit treffen wir aber auch auf eine brutale Härte in der Gesellschaft, sehr starre Hierarchien, einen enormen Leistungs- und Erwartungsdruck. Man darf nicht vergessen, Cio-Cio-San wird von ihrer Familie eigentlich verkauft …

 

Eine Figur, der meist wenig Beachtung geschenkt wird, ist das gemeinsame Kind von Cio-Cio-San und Pinkerton …

Der Junge, der zuerst „Schmerz“ und später „Freude“ genannt wird, ist das Ergebnis der Begegnung zwischen Butterfly und Pinkerton. Tragisch ist, dass beide unter „Liebe“ etwas anderes verstehen. In diesem Jungen personifiziert sich der kulturelle Konflikt und drängen sich Fragen nach der Zugehörigkeit, der Heimat, der Prägung geradezu auf. Wie seine Mutter ist er nach ihrem Tod heimatlos, lost in a no-man’s land. Er wird in unserer Interpretation eine zentrale Rolle spielen.

 

Wie sehr hat das schier endlose Warten auf die Rückkehr Pinkertons Butterfly und ihre Umwelt verändert?

Nun, Butterfly verändert sich enorm, sie hält mit aller Kraft an der Idee fest, eine amerikanische Ehefrau zu sein – sie hat sonst nichts mehr, sie hat Familie, Religion, alles verloren. Eine gute Freundin von mir, Elise Wessels, verfügt über eine beeindruckende Sammlung japanischer Kunst. Bei einer Ausstellung im Rijksmuseum sah ich einen Druck aus den Zwanziger Jahren mit einer Japanerin mit modischer Frisur, Zigarette und Cocktailglas. Ich machte ein Photo und notierte „Madama Butterfly, 2. Akt“. Ich sehe in diesem Bild Butterflys Verlorenheit: Sie kann weder Amerikanerin werden, noch aufhören, Japanerin zu sein.

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30.10.2020

Farbenreich: Gedanken von Francesco Angelico 

Francesco Angelico dirigiert zum ersten Mal an der Oper Graz. Hier im Gespräch über seine Arbeit mit „Madama Butterfly“. 

Francesco Angelico dirigiert zum ersten Mal an der Oper Graz. Hier im Gespräch über seine Arbeit mit „Madama Butterfly“. 

 

Wie erzielt Puccini in der „Madama Butterfly“ klanglich japanisches Kolorit?

Während der Arbeit an „Madama Butterfly“ hat sich Puccini intensiv mit japanischer Musik beschäftigt, um das japanische Kolorit glaubwürdig darzustellen. Er bedient sich der Pentatonik und zieht aus verschiedenen Quellen originale japanische Melodien heran, die mit einer sehr feinen und durchdachten Instrumentation dargestellt sind. Im ersten Akt wird der Chor hinter der Bühne, die Freundinnen der Butterfly, von einer originalen Melodie des Kabuki-Theaters begleitet, die Puccini

mit den Fagotten und einem Streicherpizzicato bewusst betont. Indem er besondere Instrumente – wie japanische Glocken und das Tamtam – mit der Harfe oder der Celesta kombiniert, verleiht er in gelungener Weise der Partitur japanisches, oder besser gesagt exotisches Kolorit. Man darf aber nicht vergessen, dass für das damalige Publikum das amerikanische Kolorit so exotisch war wie das japanische. Berühmt ist das Zitat der späteren amerikanischen Hymne, wenn Pinkerton „America forever“ singt. Puccini lässt diese beiden völlig fremden Welten zuweilen mit unglaublich starker orchestraler und dramaturgischer Wirkung aufeinanderprallen.

 

Was war Ihrer Meinung nach 1904 so verstörend an diesem Werk, dass die Premiere zu einem skandalösen Fiasko wurde?

Schwer zu sagen. Sicher hat die Überlänge des zweiten Aktes, der damals noch nicht zweigeteilt war, eine Rolle gespielt. Einige Kritiker haben zwar die Musik gelobt und auch den künftigen Erfolg vorhergesagt. Giulio Ricordi aber und Puccini selbst sprechen davon, dass die Anhänger des Verlags Sonzogno deswegen einen Krawall künstlich inszeniert hätten, damit sich der Erfolg von Pietro

Mascagnis „Iris“, die ebenfalls in Japan spielt, behaupten könne. Und wiederum andere denken, dass die damalige tagespolitische Situation des russischjapanischen Kriegs das Publikum dazu gereizt hätte, anhand von Puccinis Oper seine antijapanische Haltung auszutoben. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass wenige Monate vor dem „Butterfly“- Fiasko ebenfalls an der Scala Umberto Giordanos „Siberia“ uraufgeführt worden war. „Siberia“ wurde von Sonzogno herausgegeben, spielt in Russland – und war ein großer Erfolg!

 

Aber bald schon stieß „Madama Butterfly“ aufein begeistertes Publikum.

Nur drei Monate nach der Uraufführung in Mailand wurde die zweite Produktion von „Madama Butterfly“ in Brescia ein Erfolg. Und zwar einer der größten in Puccinis Karriere, dank der Änderungen, Kürzungen und Verbesserungen, die Puccini und die Librettisten am Werk vorgenommen haben.

 

Wie ist es Cio-Cio-San drei Jahre lang möglich, auf Pinkerton zu warten?

Die Protagonistin wartet mit voller Überzeugung drei Jahre auf ihren Geliebten, und Puccini lässt uns diese Zeit kaum spüren, vielleicht noch am ehesten in der hochpoetischen Stimmung am Schluss des zweiten Akts im sogenannten Summchor. Von ihrer unerschütterlichen Haltung erfahren wir in ihrer berühmten Arie „Un bel dì vedremo“.

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29.10.2020

Happy World Ballet Day 2020! 

Das Ballett der Oper Graz wünscht Ihnen einen schönen World Ballet Day 2020! 

Das Ballett der Oper Graz wünscht Ihnen einen schönen World Ballet Day 2020 und zeigt erste Einblicke in das Ballett „Rotkäppchen“, das am 27. November Premiere feiert! Special thanks to Paulio Sóvári und Christoph Schaller, die nicht nur wunderbare Tänzer sind, sondern auch hinter der Kamera eine tolle Figur machen! 

 

Mehr zum Ballett „Rotkäppchen“

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22.10.2020

Marjukka Tepponen im Gespräch

Dramaturgin Marlene Hahn im Gespräch mit der finnischen Sopranistin Marjukka Tepponen über WG-Mitbewohner, Perfektion und Girl-Power. 

Dramaturgin Marlene Hahn im Gespräch mit der finnischen Sopranistin Marjukka Tepponen über WG-Mitbewohner, Perfektion und Girl-Power

 

PERSON: Marjukka Tepponen

 

Ein perfekter Tag für dich?
Mein perfekter Tag ist eine Mischung aus vielen Dingen. Ich liebe es zu arbeiten und zu singen, ich könnte also den perfekten Tag bei einer Probe oder in einer Aufführung verbringen. An einem freien Tag unternehme ich was mit meiner Familie. Ich gehe nach dem Frühstück Laufen oder wir alle zusammen machen eine Wanderung in den Wald, Pilze sammeln … mein perfekter Tag heißt auch viel gutes Essen! Mit meinem Mann zu kochen ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen.

 

 

Welchen fiktiven Charakter würdest du gerne mal zum Essen einladen?
V von „V wie Vendetta“

 

Was hast du zuletzt im Kino oder bei Netflix (…) gesehen?
Wir haben eine Netflix-Serie namens „The Spy“ geschaut. Es verfolgt mich immer noch … eine sehr intensive und gut gespielte Story, die auf realen Ereignissen eines israelischen Spions basiert, der in den 60ern in Syrien arbeitete.

 

Mit welchem Operncharakter würdest du am liebsten auf eine einsame Insel reisen?
Figaro aus „Der Barbier von Sevilla“

 

Und warum?
Ich denke, er wäre eine lustige Gesellschaft und sehr erfinderisch dabei sich die Zeit zu vertreiben und auch einen Weg zu finden, um von der Insel wieder wegzukommen!

 

Welcher Maler, egal ob lebendig oder tot, dürfte dein Porträt anfertigen?
Monet. Ich habe mich in seine Bilder verliebt, als ich noch sehr jung war. Sie bewegen mich immer noch und ich würde gerne farbenreich dargestellt werden!

 

Wenn du dir eine Superkraft aussuchen könntest, was wäre sie?
Die Möglichkeit mich unsichtbar zu machen; das wäre ein Spaß!

 

Mit welchem Operncharakter könntest du dir eine WG vorstellen?
Haha, ich hätte sehr viele, mit denen ich mir auf gar keinen Fall eine vorstellen könnte. Es gibt in der Oper einfach verdammt viele mit großen Problemen! Ich würde Susanna aus „Le nozze di Figaro“ auswählen. Sie ist gesund und eine Person, die Dinge erledigt! Frauenpower!

 

Welche Tipps hast du an dein 18-jähriges Ich?
Arbeite hart, aber denke daran, das Leben zu genießen! Ich habe versucht, dies nach besten Kräften zu tun.

 

Welchen Ort auf dieser Welt muss man gesehen haben?
Lappland in Finnland. Durch die unendliche Weite der Natur fühlt man sich auf der Welt so klein.

 

Hast du ein Ritual, bevor du auf die Bühne gehst?
Nichts Besonderes. Ich sage mir einfach: Sei großartig! An vielen Abenden komme ich dem nahe … 

 

 

STORY: Madama Butterfly

 

Welcher Moment geht dir besonders nahe?
Es ist sehr schwer einen Moment zu nennen … Aber der Anfang von Butterflys allererstem Auftritt berührt mich sehr, auch musikalisch. Wenn alles noch gut ist und eine glänzende Zukunft vor ihr liegt.

 

Was hat die Geschichte der Geisha und des Marineoffiziers mit uns heute zu tun?
Das Aufeinandertreffen der Kulturen! Wie unterschiedlich Menschen in zwei verschiedenen Ländern die Welt sehen. Das ist auch heute ein relevantes Thema, zum Beispiel bei der Migration.

 

 

FIGUR: Cio-Cio-San

 

Cio-Cio-San in drei Worten …
Ergeben, treu, furchtlos

 

Welche Facette dieser Figur ist dir fremd?
Der blinde Glaube an ihren Mann und an dessen Rückkehr und dass sie nicht auf die Warnungen der anderen hört.

 

Welcher nah?
Ihre Leidenschaft

 

 

MUSIK: Puccini

 

Mit welchen 5 Worten kann man die Musik beschreiben?
Schimmernd, bildhaft, direkt ins Herz, leuchtend und bedrohlich.

 

Warum ist diese Oper ein Meisterwerk?
Eine zeitlose Geschichte, Puccinis leuchtend schöne Musik. Und was mich immer berührt, ist die Geschichte mit einem kleinen Kind. Es fällt mir immer schwer nicht zu weinen.

 

Was schenkt dir Energie für diese Rolle?
Die Musik von Puccini. Perfektion.

 

 

GRAZ

 

Schon einen Lieblingsort gefunden?
Ich liebe es, Orte von oben zu sehen, daher ist der Schloßberg natürlich einer meiner Favoriten.

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19.10.2020

Herbst-Special der Ballettschule 

Von 27. bis 31. Oktober bietet die Ballettschule der Oper Graz ein spezielles Programm an – auch zum Schnuppern für Interessierte! 

Von 27. bis 31. Oktober bietet die Ballettschule der Oper Graz ein spezielles Programm an – auch zum Schnuppern für Interessierte! Bitte beachten Sie, dass es für alle Kurse eine begrenzte Teilnehmeranzahl gibt und dass eine Voranmeldung unter ballettschule@oper-graz.com nötig ist. 

 

Mehr zum Programm

 

Preise Herbst Special der Ballettschule der Oper Graz

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16.10.2020

Heute im Portrait: Jente, die Heiratsvermittlerin 

Da im Schtetl Anatevka jeglicher Lebensbereich traditionsgemäß einem strengen Reglement unterworfen ist, ist auch die Wahl von Braut und Bräutigam vorbestimmt. Es ist die Aufgabe der Heiratsvermittlerin Jente, die perfekten Paare zueinander zu führen.

Da im Schtetl Anatevka jeglicher Lebensbereich traditionsgemäß einem strengen Reglement unterworfen ist, ist auch die Wahl von Braut und Bräutigam vorbestimmt. Es ist die Aufgabe der Heiratsvermittlerin Jente, die perfekten Paare zueinander zu führen. In ihr kleines Büchlein macht sie sich stets Notizen, wer vielleicht in fünf, zehn Jahren zueinander passen könnte, zumal sie über die besondere Fähigkeit verfügt, in jedem Mangel einen Vorzug zu entdecken: Wenn die potenzielle Braut schlecht sieht und der zukünftige Bräutigam schlecht aussieht, dann ergibt das ihrer unumstößlichen Meinung nach das ideale Paar.

Einst war Jente verheiratet. Ihr Mann war herzensgut, hat ihr allerdings nie widersprochen. Wer Jente einmal erlebt hat, fragt sich naturgemäß, wann er dafür die Zeit finden hätte sollen. Er hat ihr nie widersprochen, er hat ihr keine Kinder geschenkt, und nun ist sie auf ihre alten Tage auf die Provision angewiesen, die ihr durch die Ehevermittlung zukommt. Eine schwierige Kundschaft ist Golde, die zwar fünf Töchter und kein Geld hat, dafür aber reichlich mäkelig ist. Nun bahnt Jente eine Verbindung zwischen dem gut situierten Fleischer Lazar Wolf und Tevjes Erstgeborener Zeitel an, die allerdings auf die Ablehnung Zeitels stößt. Tevje erlaubt seiner Tochter, ihrem Herzen zu folgen und den armen Schneider Mottel Kamzoil zu heiraten. Bei der Hochzeitsfeier brechen die Konflikte auf – Lazar Wolf verkraftet es nicht, dass nicht er der Bräutigam ist, und als Golde ins Treffen führt, dass selbst ihre Großmutter aus dem Jenseits die Verbindung zwischen Zeitel und Mottel abgesegnet hätte, quittiert das Jente mit einem deftigen Kraftausdruck. Und dass auf dieser Hochzeit gar Frauen mit Männern tanzen, ist für Jente nicht zu akzeptieren.

Aber eine Jente lässt sich nicht unterkriegen, denn es gibt ja soviel interessante Neuigkeiten im Schtetl, für deren Verbreitung sie sorgen muss. Wie durch einen Zufall fällt ihr ein Brief von Perchik, dem jungen Hitzkopf aus Kiew, der mit Tevjes zweiter Tochter Hodel verlobt ist, auf dem Postamt in die Hände, und wie durch einen Zufall öffnet sich der Brief wie von selbst. Selbst als der Auszug aus dem Schtetl anbefohlen wird, lässt Jente nicht den Kopf hängen, sondern kommt zur nüchternen Erkenntnis: „Na, kommt schon: Anatevka war nicht gerade der Garten Eden!“

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15.10.2020

Fedja im Fokus 

Im Schtetl Anatevka gibt es die jüdische Bevölkerung, aber auch „die anderen“, wie sie Tevje, der Milchmann, bezeichnet. Die anderen, das sind die Russen, die orthodoxen Christen, darunter der Wachmann, der Pope – und Fedja.

Im Schtetl Anatevka gibt es die jüdische Bevölkerung, die für alles und jedes im Leben streng reglementierte Traditionen hat; im Schtetl gibt es aber auch „die anderen“, wie sie Tevje, der Milchmann, bezeichnet. Die anderen, das sind die Russen, die orthodoxen Christen, darunter der Wachmann, der Pope – und Fedja. Mit seinen russischen Freunden sitzt er abends zuweilen im Dorfgasthaus, wo vornehmlich Juden verkehren. Als dort Tevje und der Fleischer Lazar Wolf die Verlobung zwischen Tevjes Ältester Zeitel und dem Fleischer mit reichlich Alkohol begießen, als dort fröhlich getanzt wird, lässt sich auch Fedja mitreißen, um einen wahrhaft russischen Trinkspruch anzustimmen, mit dem er Tevje und dem Bräutigam Glück wünscht: „Friede sei mit euch! Gott bewahre euch vor Zwietracht und vor Hass.“

Weil Fedja über die Fähigkeit verfügt, über Religionsgrenzen hinweg zu sehen, bemerkt er, dass es in Awrams Buchladen eine regelmäßige Kundin gibt: Chava, die dritte Tochter Tevjes. Auch wenn Fedja meint, dass er nett, zuvorkommend, ehrlich, fleißig und gutaussehend sei, will Chava anfänglich nichts von ihm wissen. Über ihre gemeinsame Leidenschaft für die Lektüre kommen sie ins Gespräch, und er empfiehlt ihr, ein Buch von Heinrich Heine zu lesen. Es bleibt nicht beim Gedankenaustausch über Literatur, denn die beiden jungen Leute kommen sich im Verborgenen nahe. Als sich Chava dazu durchringt, ihrem Vater, der einfach nicht will, dass seine Tochter Bekanntschaft mit einem Andersgläubigen pflegt, ihre wahre Beziehung zu Fedja zu gestehen, kommt es zum Bruch: Tevje verstößt sein eigenes Kind.

Ohne das Wissen ihrer Eltern lassen sich Chava und Fedja vom Popen nach orthodoxem Ritus trauen. Wie groß die Verbundenheit zwischen den beiden ist, zeigt sich im Moment des verordneten Aufbruchs aus Anatevka: Wiewohl Chava, die nun mit einem Russen verheiratet ist, im Schtetl bleiben dürfte, beschließen die beiden doch, den Aufbruch zu wagen und nach Krakau zu gehen. Sie ziehen weg, da sie nicht die Gewalt ertragen können, die den Juden angetan wurde, aber sie ziehen auch weg, da ihnen die Gleichgültigkeit, die ihnen widerfahren ist, unerträglich ist. Jetzt endlich ringt sich Tevje ein Wort der Versöhnung ab, mit dem er Chava und Fedja auf die Reise schickt: „Gott sei mit euch!“

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14.10.2020

Perchik im Rampenlicht 

Ein weiterer Charakter aus „Anatevka“ steht heute im Rampenlicht: Perchik zählt zu jenen auserwählten jüdischen Studenten, die überhaupt an einer Universität studieren dürfen – und er kann Hodels Herz für sich gewinnen. 

Perchik zählt zu jenen auserwählten jüdischen Studenten, die überhaupt an einer Universität studieren dürfen. Das Leben in der Großstadt öffnet seinen Blick, die strengen Zugangsbestimmungen zur Ausbildung erklären aber auch seine Radikalisierung. Nach dem Studium in Kiew verschlägt es Perchik ins Schtetl Anatevka, wo er sogleich Zeuge wird, wie die Schtetlbewohner sich lustvoll über Kleinigkeiten streiten können. Mit seinen pointierten Bemerkungen erregt er die Aufmerksamkeit von Tevje, der den jungen Mann nicht nur zum Sabbatmahl lädt, sondern der ihm zudem die Erlaubnis erteilt, seinen Töchtern gegen Kost und Logis Hausunterricht zu erteilen. Perchiks unkonventionelle Sicht auf die Tora prägt seinen Unterricht, der in einer kühnen Erkenntnis kulminiert: „Traue niemals einem Arbeitgeber!“ kulminiert.

Hodel, Tevjes Zweitgeborene, folgt dem Unterricht aufmerksam und lässt sich gerne von Perchik etwas vom Leben in der Großstadt erzählen und auch zeigen, welche Tänze dort die jungen Menschen gemeinsam tanzen. Mag ihr Vater Tevje einen Fiedler auf dem Dach haben, mit dem er sich zuweilen austauscht, so hat Perchik die Fähigkeit, den Fiedler zum Tanz aufspielen zu lassen.

Dank seines scharfen Blicks für die zwischenmenschlichen Verhältnisse erkennt Perchik die kleingeistigen Streitereien auf der Hochzeit von Tevjes Erstgeborener, Zeitel, mit dem armen Schneider Mottel Kamzoil als bedeutungslos. Was einzig und allein zählt, ist die Liebe der beiden, nicht, was die Heiratsvermittlerin Jente angebahnt, nicht, was Tevje mit dem Fleischer Lazar Wolf ausgehandelt hat. Die ohnedies schon erhitzte Stimmung auf der Hochzeitsfeier weiß er durch eine kühne Grenzüberschreitung zu steigern: Er fordert eine Frau zum Tanzen auf. Und da selbst der Rabbi nichts dagegen einzuwenden weiß, willigt Hodel in diesen Tanz mit Perchik ein. Tevje tut es seiner Tochter gleich und tanzt mit seiner Frau Golde. Nun ist der Bann gebrochen, und Frauen und Männer tanzen gemeinsam.

Bevor Perchik nach Kiew aufbrechen muss, bespricht er mit Hodel eine wichtige gesellschaftspolitische Frage – er erkundet ihre Haltung zur Ehe. Für ihn spiegeln sich in ihr Einigkeit und Solidarität, für Hodel wiederum ist Zuneigung von entscheidender Bedeutung. So herrscht Übereinstimmung, und Hodel nimmt Perchiks Heiratsantrag an. Einmal mehr ist Tevje von der Herzensentscheidung seiner Tochter verblüfft – und akzeptiert sie doch, weil er die Liebe zwischen den beiden anerkennt. Und die Liebe Hodels zu Perchik ist so groß, dass sie ihr Elternhaus verlässt, um dem Mann ihres Herzens nach Sibirien zu folgen.

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13.10.2020

Mottel im Mittelpunkt 

Im Musical „Anatevka“ möchten der Milchmann Tevje und seine Frau Golde ihre fünf Töchter an den Mann bringen. Ihre älteste Tochter Zeitel ist aber schon heimlich mit dem Schneider Mottel Kamzoil verlobt… 

Tevje, der Milchmann und seine Frau Golde sind, um ihre fünf Töchter an den Mann zu bringen, auf die Heiratsvermittlerin Jente angewiesen, die ganz genau weiß, wer im Schtetl Anatevka zueinander passt und das perfekte Paar abgibt. Für Tevjes Älteste Zeitel schlägt sie den verwitweten Fleischer Lazar Wolf vor, denn der ist gut situiert. Ein Mann soll doch etwas darstellen und nicht weniger als ein Nichts sein!

Doch Zeitel hält nichts von Jentes Vorschlag, dem ihr Vater zustimmt, denn schon seit einem Jahr ist sie heimlich mit dem etwas schusseligen, unbedarften, aber herzensguten Schneider Mottel Kamzoil verlobt. Die beiden kennen sich seit Kindertagen, und gar so unschuldig, wie ihre Mutter Golde naiv glaubt, ist ihre Beziehung nicht mehr. Nicht und nicht bringt es Mottel fertig, Tevje gegenüber offen zu reden, bis endlich die Nachricht, dass Tevje Lazar Wolf die Hand seiner Tochter versprochen hat, ihm die Scheu nimmt und er – was für ein Wunder – den Mund aufbekommt. Nun fordert er sein Recht auf Glück ein, nun macht er Tevje verständlich, dass er wie für Zeitel gemacht und in der Lage ist, für Zeitel zu sorgen. Tevje zeigt sich beeindruckt, dass Mottel plötzlich wie ein richtiger Mann redet, und willigt in die Verbindung ein, zumal er anerkennen muss, wie glücklich Mottel Zeitel macht. Dass es der Hilfe aus dem Jenseits bedarf, um auch Golde von der Richtigkeit dieser Verbindung zu überzeugen, ist eine andere Geschichte.

Ausgelassen und fröhlich wird die Hochzeit von Mottel und Zeitel gefeiert, bis ein Pogrom das Hochzeitsfest jäh beendet. Vorerst scheint das dem Glück der beiden nichts anhaben zu können, denn das junge Paar bekommt nicht nur sein erstes Kind, sondern Mottel hat auch endlich soviel Geld zusammengespart, um sich eine gebrauchte Nähmaschine zu kaufen, sodass er nicht mehr länger mit der Hand nähen muss.

Was ihnen die Zukunft nach dem Auszug aus dem Schtetl bringen mag, ist ungewiss. Gewiss ist Mottel und Zeitel jedoch ihre Zuneigung – und die Nähmaschine.

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12.10.2020

Vorhang auf für Chava 

Kurz vor der Premiere des Musicals „Anatevka“ am 17. Oktober stellen wir einzelne Rollen aus diesem Klassiker vor. Heute: Chava, Tevjes dritte Tochter. 

Tevjes dritte Tochter Chava hat eine große Leidenschaft, denn sie lebt in der Welt der Bücher. Wenn ihre Mutter Golde sie in den Stall schickt, um die Kuh zu melken, nutzt Chava diesen Moment, um schnell noch ein paar Seiten zu lesen. Dafür kann Golde kein Verständnis aufbringen: Wozu bitteschön liest das Mädchen andauernd? Glaubt es denn, dass ein Märchenprinz aus dem Buch springen würde?

Von einem Märchenprinzen träumt Chava zwar nicht, aber gemeinsam mit ihren beiden älteren Schwestern Zeitel und Hodel hofft sie innigst, dass sie Jente, die Heiratsvermittlerin, mit dem idealen Gatten zusammen bringen wird.

Dass Chava gerne liest, fällt einem jungen Mann auf, der ganz nett ist, zuvorkommend, ehrlich, fleißig und der nicht schlecht aussieht. Und er hat auch gleich einen Literaturtipp für Chava und überreicht ihr ein Buch von Heinrich Heine. Und doch weicht Chava ihm vorerst aus und meidet seine Nähe, denn sie ist Jüdin und Fedja, der junge Russe, ist orthodoxer Christ.

Der Gedankenaustausch über die Literatur bringt die jungen Menschen näher, was allerdings niemand wissen soll und darf. Als sich Chava auf Fedjas Betreiben dazu durchringt, ihrem Vater ihre Beziehung zu einem Russen und auch ihre Heiratspläne zu gestehen, ist Tevje außer sich. Er kann nicht akzeptieren, dass seine kleine Chavaleh eine Entscheidung fällt, die seinen Vorstellungen derart entgegengesetzt ist, und verstößt sein Kind in dem Moment, als er erfahren muss, dass sich Chava und Fedja vom Popen haben trauen lassen.

Als der Auszug aus dem Schtetl Anatevka anbefohlen ist, kommt es zu einer allerletzten Begegnung zwischen Chava und Tevje. Sie kommt, um sich von ihren Eltern zu verabschieden, bevor sie sich mit ihrem Mann auf ihre Reise begibt. Und dann geschieht das Unerwartete – Tevje überwindet sich und flüstert seiner Tochter ein Wort des Abschieds zu: „Gott sei mit euch!“

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12.10.2020

World Opera Day 2020 

Auch dieses Jahr beteiligt sich die Oper Graz am World Opera Day, der am 25. Oktober gefeiert wird. 

Am 25. Oktober – dem Geburtstag der beiden Komponisten Georges Bizet und Johann Strauss – wird der internationale World Opera Day gefeiert. Ziel ist es, die positiven Auswirkungen der Kunstform Oper auf die Gesellschaft deutlich zu machen: Oper und die Kunst im Allgemeinen hat großen Einfluss auf Toleranz und Verständnis für andere, öffnet den Geist und bewegt Menschen weltweit mit großen, universellen Emotionen – eine Eigenschaft, die gerade in Zeiten der Corona-Pandemie umso deutlicher wird und wurde. Anders formuliert: Sport trainiert den Körper, Kunst trainiert den Geist! 

Zur Feier dieses Tages gibt es via Live-Stream am 25. Oktober ein Festkonzert zu erleben – mehr dazu finden Sie hier. 

In diesem Sinne wird es auch an der Oper Graz rund um den World Opera Day etwas zu gewinnen geben – folgen Sie uns dazu auf Facebook oder abonnieren Sie den Newsletter der Bühnen Graz. 

 

Mehr zum World Opera Day

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09.10.2020

Doch bin ich nirgend, ach! zu Haus

Die Produktion „Doch bin ich nirgend, ach! zu Haus“ mit Puppenspieler Nikolaus Habjan und der Musicbanda Franui gibt es am 23. Oktober in einer Doppelvorstellung zu erleben. 

Das Motiv des Wanderers steht im Mittelpunkt der Produktion „Doch bin ich nirgend, ach! zu Haus“ der Musicbanda Franui mit dem Puppenspieler Nikolaus Habjan. Alles hinter sich lassen und sich auf die Suche begeben – mit Musik (frei nach Schubert, Schumann, Brahms und Mahler), Wort (Robert Walser und Jürg Amann sowie Liedtexten) und Puppe (Nikolaus Habjan) wird dem Wanderer als gleichermaßen bewunderter wie gehasster Figur nachgespürt.
Die zehnköpfige österreichische Musicbanda Franui, gegründet 1993 in Innervillgraten/Osttirol, wurde mit ihren Aneignungen der Lieder von Schubert, Schumann, Brahms und Mahler bekannt. Dabei versteht sich das Ensemble als „Umspannwerk zwischen Klassik, Volksmusik, Jazz und zeitgenössischer Kammermusik“.

 

Die Oper Graz präsentiert diesen besonderen Abend gleich zwei Mal: 

Freitag, 23. Oktober 2020, 18 & 20.30 Uhr 

Tickets & Infos 

 

 

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09.10.2020

Hodel im Fokus 

Am 17. Oktober feiert das Musical „Anatevka“ Premiere in der Oper Graz. Im Vorfeld rücken wir einzelne Rollen ins Rampenlicht. Dieses Mal: Hodel, Tevjes zweitgeborene Tochter. 

Gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Zeitel und der jüngeren, Chava, träumt Tewjes Zweitgeborene Hodel davon, dass für sie alle Jente, die Heiratsvermittlerin, den perfekten Mann aussuchen wird. Denn wie sonst sollte sie einen Mann kennenlernen, da doch junge Leute eine solche Entscheidung nicht allein treffen können. Insgeheim hat Hodel längst schon ein Auge auf den Sohn des Rabbi geworfen. Warum auch nicht? In Anatevka gibt’s nur einen Rabbi, und der hat nur einen Sohn. Und nur eine kann das Beste kriegen.

Doch dann verändert ein Gast, den ihr Vater zum Sabbatmahl mitbringt, Hodels Leben. Perchik kommt ins Haus, ein Student aus Kiew, der jung und intellektuell und revolutionär zugleich ist. Er gibt den Mädchen Unterricht und verblüfft mit seiner ungewöhnlichen Bibelexegese Hodel. Aber mehr noch als seine unkonventionelles Wesen fasziniert sie Perchiks Fähigkeit, plötzlich Musik erklingen zu lassen, wenn er ihr den neuesten Tanz aus der Großstadt Kiew zeigen möchte. Von ihm erfährt sie auch, dass dort junge Frauen und Männer miteinander gehen, ohne, dass sie eine Heiratsvermittlerin zusammengeführt hätte.

Bei Zeitels und Mottels Hochzeit ist es Perchik, der die Geschlechtertrennung beim Tanz aufhebt. Als Perchik, der genau versteht, was das Pogrom auf der Hochzeitsfeier zu bedeuten hat, nach Kiew aufbrechen muss, bespricht er noch mit Hodel eine wichtige politische Frage. Für ihn ist die Ehe von soziologischer Bedeutung, für Hodel hat die Zuneigung oberste Priorität. Perchiks Heiratsantrag nimmt sie auf jeden Fall an und verblüfft damit ihren Vater. Die jungen Menschen bitten nämlich nicht um sein Einverständnis, sondern um seinen Segen. Weil Tevje erkennt, wie innig sie sich lieben, erteilt er seinen Segen. Und seine Zustimmung.

Als Perchik verhaftet und nach Sibirien transportiert wird, ist für Hodel die Zeit des Abschieds gekommen. Sie wird ihrem Verlobten nach Sibirien folgen, denn fortan ist ihr zuhause bei ihm und nicht im Elternhaus. Ihren Vater tröstet sie im Abschiedsschmerz mit dem Versprechen, sich in Sibirien nach den Vorschriften ihres Glaubens trauen zu lassen.

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06.10.2020

Bühne frei für Zeitel 

Der Herr hat Tevje, dem Milchmann, und dessen Frau Golde fünf bildhübsche Töchter geschenkt, deren älteste Zeitel ist. Sie steht im Zentrum des heutigen Rollenportraits zu „Anatevka“. 

Der Herr hat Tevje, dem Milchmann, und dessen Frau Golde fünf bildhübsche Töchter geschenkt, deren älteste Zeitel ist. Sollte die nicht längst schon unter der Haube sein? Jente, die Heiratsvermittlerin, gibt sich doch die allergrößte Mühe, um den passenden Mann vorzuschlagen. Aber selbst wenn Golde, die nur zu genau weiß, dass ihre Tochter arm wie eine Synagogenmaus ist, die Vorschläge goutiert, verhält sich Zeitel gänzlich anders. Jentes letzter Vorschlag war für sich auch das Letzte: ein Mann ohne Haare! Gemeinsam mit ihren Schwestern Hodel und Chava träumt auch Zeitel vom idealen Mann – im wirklichen Leben hat sie ihn allerdings schon längst gefunden: den etwas schusseligen und herzensguten Schneider Mottel Kamzoil. Auch wenn Mottel arm ist, so ist Zeitel doch felsenfest davon überzeugt, dass auch ein armer Schneider das Recht auf Glück im Leben hat. Als Tevje sie mit der Nachricht überrascht, ihre Hand dem verwitweten und älteren Fleischer Lazar Wolf versprochen zu haben, begehrt sie auf und weigert sich, diesen zu heiraten. Da würde sie doch lieber Steine klopfen als Lazar zu heiraten! Erst ist Tevje irritiert, doch weil er erkennt, wie glücklich seine Tochter in Mottels Gegenwart ist, stimmt er zu. Mit der Hilfe der Großmama, nach der die Enkeltochter benannt ist, wird auch Golde umgestimmt, sodass Mottel und Zeitel Hochzeit feiern können. Natürlich ist Lazar Wolf enttäuscht, dass nicht er der Bräutigam ist, und natürlich ist Jente erzürnt darüber, dass sie keine Provision bekommt, aber nichts davon kann die ausgelassene Fröhlichkeit bei der Hochzeit trüben. Sogar die Männer beginnen mit den Frauen zu tanzen. Doch jäh kippt die Stimmung, denn just bei der Hochzeit, an Zeitels allerschönstem Tag, kommt es zum Pogrom.

 

Das Leben geht weiter, Zeitel und Mottel bekommen Familiennachwuchs. Darüber ist die Freude so groß wie über die Nähmaschine, die sich Mottel endlich kaufen konnte. Und dann geht alles Schlag auf Schlag: Innert drei Tagen muss Anatevka geräumt werden, und die Schtetlbewohner zerstreuen sich in alle Himmelsrichtungen. Vor dem Aufbruch ins Ungewisse wird Zeitel wenigstens noch Zeugin der Aussöhnung ihres Vaters mit ihrer Schwester Chava.

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