Content

09/30/2022 12:15pm

Ohne Tränen?

Drei Fragen an Marjukka Tepponen

Drei Fragen an die finnische Sopranistin Marjukka Tepponen zu ihrer Rolle Cio-Cio-San in der Oper „Madama Butterfly“

Drei Fragen an die finnische Sopranistin Marjukka Tepponen zu ihrer Rolle Cio-Cio-San in der Oper „Madama Butterfly“

 

Warum scheitert die Beziehung zwischen Cio-Cio-San und Pinkerton?

Cio-Cio-San und Pinkerton sind aus völlig unterschiedlichen Welten. Trotz ihrer kulturellen Differenz und des großen Altersunterschieds verlieben sie sich. Sie entscheiden sich aus unterschiedlichen Gründen zur Eheschließung. Pinkerton möchte in Japan eine Frau oder eine Gefährtin finden, um seine Zeit im Ausland angenehmer zu machen. Er wird letztendlich eine echte Amerikanerin heiraten, was er schon weiß, bevor er Cio-Cio-San heiratet. Sie allerdings nicht: Sie geht bewusst in diese Ehe und bricht mit ihrer gesamten Kultur, Religion und Familie. Diese Ehe ist alles für Cio-Cio-San. Man darf dabei nicht vergessen, wie jung sie ist.

 

Haben Sie einen besonderen Zugang zur japanischen Kultur?

Ich war erst einmal in Tokio, aber ich habe mich wirklich in das Land und die japanische Kultur verliebt. Ich bin auch ein großer Fan der japanischen Küche (lacht). Ich hoffe, dass ich bald wieder die Gelegenheit habe, Japan zu besuchen.

 

Wie kontrollieren Sie Ihre Gefühle, während Sie den ganzen Abend singen müssen?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Geschichte für mich sehr emotional sein wird. Ich bin Mutter eines vierjährigen Buben und mit einem Amerikaner verheiratet (lacht). Ich bin zwar nicht in der gleichen Situation wie Cio-Cio-San, kann mir diese aber gut vorstellen. Ich war nie in der Lage, „Madama Butterfly“ ohne Tränen zu sehen. Der Probenprozess war schon sehr emotional, und ich bin sicher, dass mich die Geschichte auch in der Wiederbegegnung heftig packen wird.

> WEITERLESEN
SCHLIESSEN
09/26/2022 11:16am

Teaser zu „War Requiem“

Der Teaser zu „War Requiem“ ist da! Erste Eindrücke aus Benjamin Brittens Ausnahmewerk in der Inszenierung von Lorenzo Fioroni geben einen Vorgeschmack auf ein eindrucksvolles Musiktheatererlebnis.

Der Teaser zu „War Requiem“ ist da! Erste Eindrücke aus Benjamin Brittens Ausnahmewerk in der Inszenierung von Lorenzo Fioroni geben einen Vorgeschmack auf ein eindrucksvolles Musiktheatererlebnis.

 

 

Vorstellungen bis 20. November 2022

> WEITERLESEN
SCHLIESSEN
09/23/2022 4:41pm

Ohren auf! Audioeinführung zu „War Requiem“

Regisseur Lorenzo Fioroni, Chordirektor Bernhard Schneider und Dramaturg Bernd Krispin im Gespräch über „War Requiem“ von Benjamin Britten, das am 24. Sep 2022 Premiere feiert. Jetzt gleich hineinhören!

Regisseur Lorenzo Fioroni, Chordirektor Bernhard Schneider und Dramaturg Bernd Krispin im Gespräch über „War Requiem“ von Benjamin Britten, das am 24. Sep 2022 Premiere feiert. Jetzt gleich hineinhören!

 

Erstellt von Lukas Mimlich

> WEITERLESEN
SCHLIESSEN
09/23/2022 11:55am

Appell zur Versöhnung 

Benjamin Britten zeitloses Meisterwerk „War Requiem“ feiert am 24. September Premiere in der Oper Graz. Britten widmete das Werk ihm und anderen im Krieg gefallenen Freunden. Er selbst beschrieb die Verwendung von Owens Gedichten voller Abscheu über Zerstörung als einen Kommentar auf die Messe und schuf damit ein Werk, welches zugleich Requiem und Appell zur Versöhnung ist. 

Benjamin Britten zeitloses Meisterwerk „War Requiem“ feiert am 24. September Premiere in der Oper Graz. Britten widmete das Werk ihm und anderen im Krieg gefallenen Freunden. Er selbst beschrieb die Verwendung von Owens Gedichten voller Abscheu über Zerstörung als einen Kommentar auf die Messe und schuf damit ein Werk, welches zugleich Requiem und Appell zur Versöhnung ist. 

 

Als Benjamin Britten den Auftrag zu einem Werk für die Wiedereinweihung der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kathedrale von Coventry erhielt, war er beseelt von der Hoffnung: „Es wird die Menschen anregen, ein wenig nachzudenken.“

Britten wurde am 22. Dezember 1913 in Lowestoft, England, als das jüngste von vier Kindern in eine Zahnarztfamilie hineingeboren. Seine Mutter gab ihm den ersten Klavierunterricht, später studierte er Klavier und Komposition am Royal College of Music in London. Mit Werken wie „Peter Grimes“ oder „A Midsummer Night’s Dream“ schrieb er sich in den Olymp der Komponist:innen des 20. Jahrhunderts.

 Als Britten 1960 den Auftrag für das „War Requiem“ erhielt, war dies wenig verwunderlich, denn der britische Komponist war bekennender Pazifist. Seine Haltung entwickelte sich während seiner Zeit in Gresham, einer bürgerlich-liberalen Internatsschule in Nordengland, wo er sich in einem Umfeld vieler politischer und weltanschaulicher Debatten befand. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, ging er in die USA, kehrte jedoch schon 1942 in seine Heimat zurück, wo er in den letzten drei Jahren des Krieges zusammen mit seinem Lebenspartner Peter Pears Liederabende für Soldaten und Ausgebombte gab. Britten und Pears hatten sich 1937 kennengelernt, und ihre Liebesbeziehung währte bis zu Brittens Tod 1976. Beide wurden als Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen anerkannt. Britten erklärte vor dem Tribunal: „Ich bin nicht fähig dazu, das Leben eines Menschen zu zerstören, weil in jedem Menschen der Geist Gottes anwesend ist. Ich glaube nicht an Christi Göttlichkeit, aber ich denke, seine Lehre ist tief und seinem Beispiel sollte gefolgt werden.“ Mit diesem Credo schrieb er sein „War Requiem“ als eine Vertonung des lateinischen Messtextes, unterlegt mit Gedichten von Wilfred Owen, der kurz vor Ende des Ersten Weltkrieges mit nur 25 Jahren fiel. Britten widmete das Werk ihm und anderen im Krieg gefallenen Freunden. Er selbst beschrieb die Verwendung von Owens Gedichten voller Abscheu über Zerstörung als einen Kommentar auf die Messe und schuf damit ein Werk, welches zugleich Requiem und Appell zur Versöhnung ist.

 

> WEITERLESEN
SCHLIESSEN
09/18/2022 2:40pm

Nicht nur live, sondern mittendrin

In Lorenzo Fioronis Inszenierung von „War Requiem“ erwartet das Publikum nicht nur ein außergewöhnliches Bühnenbild, sondern auch eine teils veränderte Sitzplatzsituation, die das Live-Erlebnis noch unmittelbarer gestaltet.

In Lorenzo Fioronis Inszenierung von „War Requiem“ erwartet das Publikum nicht nur ein außergewöhnliches Bühnenbild, sondern auch eine teils veränderte Sitzplatzsituation, die das Live-Erlebnis noch unmittelbarer gestaltet.

 

Neben den gewohnten Plätzen im Zuschauerraum der Oper Graz bietet sich auch die Möglichkeit, Tickets für Plätze auf der Bühne zu erwerben. Mitten im Geschehen sitzend, lässt sich dieses Ausnahmewerk, interpretiert von zwei Orchestern, drei Solist:innen und mehreren Chören, aus gänzlich neuen Blickwinkeln wahrnehmen.

 

Um „War Requiem“ aus beiden Perspektiven – klassisch aus dem Zuschauerraum oder mittendrin auf der Bühne sitzend – erleben zu können, haben wir ein besonderes Angebot für unser Publikum: Gegen den Vorweis des Tickets für Ihren ersten Besuch von „War Requiem“ erhalten Sie ein Ticket für den zweiten Besuch um den halben Preis. Erhältlich im Ticketzentrum am Kaiser-Josef-Platz 10, 8010 Graz.

 

Genießen Sie diesen eindrucksvollen Abend und lassen Sie die Perspektiven auf sich wirken.

Die Inszenierung von „War Requiem“ bietet auch Sitzplätze mitten im Bühnengeschehen.

 

Weitere Informationen und Termine finden Sie hier.

> WEITERLESEN
SCHLIESSEN
09/16/2022 4:15pm

„Anatevka“
Wiederaufnahme eines Broadwayklassikers

Ab 28. September kehrt das Musical um den Milchmann Tevje und seine Töchter aus dem Schtetl Anatevka  wieder auf die Opernbühne zurück.

Hier können sich Musicalfans schon vor der Wiederaufnahme des Broadwayhits „Anatevka“ am 28. September in Stimmung bringen!

 

> WEITERLESEN
SCHLIESSEN
09/13/2022 11:10am

Paargespräch 

Ab 28. September kehrt das Erfolgsmusical „Anatevka“ zurück auf den Spielplan der Oper Graz! Im Theater ist viel möglich – daher suchen die Musicalfiguren Fedja (Mario Lerchenberger) und Chava (Corina Koller) den Gedankenaustausch mit Peter Scheer und Marguerite Dunitz-Scheer. 

Ab 28. September kehrt das Erfolgsmusical „Anatevka“ zurück auf den Spielplan der Oper Graz! Im Theater ist viel möglich – daher suchen die Musicalfiguren Fedja (Mario Lerchenberger) und Chava (Corina Koller) den Gedankenaustausch mit Peter Scheer und Marguerite Dunitz-Scheer. 

 

Zwei Paare – und viele Antworten: Das Mediziner-Ehepaar Prof. Marguerite Dunitz-Scheer und Prof. Peter Scheer, das in seiner Ehe den jüdischen Glauben lebt und gemeinsam acht Kinder hat, und die Musical-Figuren Chava und Fedja blicken auf gemeinsame Jahrzehnte in Liebe zurück beziehungsweise stehen am Beginn eines gemeinsamen Lebenswegs über religiöse Grenzen hinweg. Wir haben sie getrennt voneinander befragt – um unterschiedliche und deckungsgleiche Antworten zu bekommen.

 

Das erste Kennenlernen von Marguerite und Peter …

… fand am Valentinstag 1985 am Grazer Hauptbahnhof statt. Prosaisch schildert Peter diese Begegnung: „An jeder Hand hatte sie ein Kind in einem selbstgeschneiderten Hosenanzug aus Vorhangstoff. Es war nahe am Faschingsdienstag, vielleicht hatte sie die Kinder deshalb so angezogen. Als Wiener kannte ich die Grazer Tradition des Umzugs nicht.“

 

Das erste Kennenlernen von Chava und Fedja …

… fand, wie Chava berichtet, „auf dem Hauptplatz unseres Schtetls Anatevka statt. Ich weiß, dass mich Fedja oft bei Awrams Buchladen gesehen und beobachtet hat.“

 

Und wann haben sich die Paare verliebt?

Marguerite berichtet: „Ziemlich sofort.“ Und Peter beschreibt diesen Moment in all seiner Besonderheit: „Haben wir uns verliebt? War es nicht eher unausweichlich? Ich kam in das Ferienlager der Familienpannenhilfe am Reinischkogel. Sie rannte mir entgegen, den Mund von Heidelbeeren verschmiert, die Zähne waren blau, und sie umarmte mich, wie ein Kind, das einen Abhang hinunterrennt und aufgefangen werden will.“

Bei Fedja hat es „so richtig gefunkt, als wir uns über den Weg gelaufen sind und zum ersten Mal miteinander geredet haben.“ Und Chava genießt es, sich mit ihm über Literatur austauschen zu können. „Dabei habe ich mich wohl langsam in ihn verliebt.“

 

Und was ist wichtiger – die Liebe oder die Religion?

Peter ist sich ganz sicher: „Die Liebe. Durch sie lässt Gott uns Seine unendliche Liebe spüren, in ihr können wir Seine Güte erleben.“ Marguerite präzisiert spontan: „Die Liebe und der Respekt, aber selbst für nichtreligiöse Menschen ist die Religion, wenn sie Teil des sozialen und familiären Erbes ist, das man in eine Beziehung mitbringt, extrem wichtig.“ Für Fedja und Chava ist es eindeutig „die Liebe“, wobei sich Chava Gottes Zustimmung gewiss ist: „Es ist das schönste Gefühl, zu lieben und geliebt zu werden. Ich denke, Gott versteht das und verzeiht mir, dass ich einen Christen geheiratet habe.“

 

Kindersegen

Während sich Chava „viele Kinder“ wünscht, möchte Fedja „drei bis vier“. Peter und Marguerite haben gemeinsam acht Kinder. Gewiss ist das eine Herausforderung, doch eine erfüllende, wie Peter meint: „Alle freuen sich anscheinend, mich zu sehen, mit mir Zeit zu verbringen, auf Urlaub zu fahren, mich zu beherbergen, mit mir zu kochen und ihre Sorgen und Freuden mit mir zu teilen. Sie waren immer mindestens so wichtig wie Arbeit und Karriere, sie sind immer vorgegangen. In ihnen sehe ich mich im Spiegel und ertrage das sehr gut. Sie sind die Antwort auf das Sterben, und ihr Wachsen freut mich.“ Auch Marguerite spricht von „Glück und Bereicherung“, räumt die Notwendigkeit ein, für zwei Jahrzehnte pro Kind „persönliche Wünsche“ zurückzustellen, und weiß zugleich, dass eine reiche Kinderschar „eine Quelle des Glücks und der sozialen Kompetenz ist, der heute in der europäischen Kultur leider zu wenig Wert zugeschrieben wird.“

 

Interreligiosität

Chava und Fedja gehen eine interreligiöse Ehe ein, Marguerite und Peter haben eine solche durchlebt, bevor sie zueinander gefunden haben. Reicht dafür wirklich die Liebe allein, fragt sich Chava bang, denn „braucht es nicht auch den Rückhalt einer Familie oder eines ganzen Schtetls?“ Peter betont die Wichtigkeit der Liebe: „Nur dann soll man das eingehen, wenn man die damit einhergehenden Sorgen wachen Auges sieht. Wenn einem Religion egal ist, dann kann man es versuchen. Da die Liebe jedes Hindernis besiegt, wird sie auch dieses besiegen. Allerdings muss man dazu die Liebe pflegen.“ Fedja ahnt die Wichtigkeit der „gemeinsamen Kommunikation“, was Marguerite durchaus bestätigt und bekräftigt. Aus den Beziehungen und Familien ihrer Kinder weiß sie: „Da die Hälfte unserer acht Kinder eine jüdisch-jüdische Ehe beziehungsweise Partnerschaft führt und die andere Hälfte eine interreligiöse – wobei wirklich niemand ein Problem hat –, würde ich schon sagen, dass es sicher eine zusätzliche religiöse, aber vor allem kulturelle, soziale und eben tägliche Herausforderung im gemeinsamen Leben und dann aktiv in der Kindererziehung ist, die man als jung Verliebte meist völlig unterschätzt. Wenn das Thema nicht tabu, sondern diskutierbar ist, kann es sicher gut gelöst werden.“

> WEITERLESEN
SCHLIESSEN
09/12/2022 9:00am

Regisseur Lorenzo Fioroni im Gespräch mit Chefdirigent Roland Kluttig

Benjamin Brittens „War Requiem“ feiert am 24. September Premiere an der Oper Graz! Regisseur Lorenzo Fioroni und Chefdirigent Roland Kluttig haben sich vorab zum Gespräch getroffen. 

Benjamin Brittens „War Requiem“ feiert am 24. September Premiere an der Oper Graz! Regisseur Lorenzo Fioroni und Chefdirigent Roland Kluttig haben sich vorab zum Gespräch getroffen

 

Lieber Roland, eine der Erinnerungen aus meiner Teenager-Zeit ist, wie sehr Requiem-Kompositionen mich komplett aus dem Gleichgewicht gebracht und tief beeindruckt haben. So sehr, dass ich zum Beispiel ganze Sätze aus Mozarts „Requiem“ abkopiert habe, um sie im Detail zu erfassen. Und jetzt, im Zusammenhang mit der Beschäftigung mit Britten, diskutierte ich mit Menschen, für die die Mitwirkung an einer Aufführung des „War Requiem“, sei es im Orchester oder im Chor, stets ein unvergesslicher Eindruck war. Wie erklärst du dir diese besondere Aura von Totenmessen?

 

Roland Kluttig Lieber Lorenzo, das geht mir ganz ähnlich. Die geistlichen Werke haben die Komponist:innen immer wieder zu Höchstleistungen angetrieben – und zwar auch noch zu Zeiten, als das Weltliche und das Geistliche sich schon mindestens die Waage hielten, also sagen wir ab der Wiener Klassik. Die Sakralmusik von Bach, die Requien von Mozart, Verdi und anderen gehören zum Allergrößten, was Musiker:innen je geschaffen haben. Innehalten, Konzentration, Trauer und Schmerz, Schrecken und Wut, Leid und Trost gehen da eine einzigartige Verbindung ein. Ob gläubig oder nicht, das überträgt sich auch sofort auf den Hörenden.

 

 

Britten war nicht nur Komponist, sondern auch ein bedeutender Dirigent, der die Uraufführung des „War Requiem“ selbst leitete. Er war auch Pianist und Liedbegleiter, hier spürt man seine Sensibilität für die Ausdrucksskala der menschlichen Stimme. Wie ordnest du Britten generell ein als zentrale Figur in der Musik des 20. Jahrhunderts?

 

Roland Kluttig Ich habe spät zu Britten gefunden, weil auch ich vom in Deutschland herrschenden Dogma der Darmstädter Schule geprägt war. Britten wurde für zu leicht befunden. Als ich vor einigen Jahren das Angebot bekam, an der schwedischen Norrlandsoper „Peter Grimes“ zu leiten, änderte sich das langsam, aber intensiv. Was für eine Konzentration der Mittel, was für ein handwerkliches Geschick! Eine große Rolle spielt auch seine Arbeit als Dirigent und Pianist, seine Schubertund SchumannInterpretationen gehören zu Schrecken und Trost den besten auf diesem Gebiet. Ein sehr feiner, aber auch verschlossener Künstler. In gewisser Weise das westliche Pendant zu Schostakowitsch. Beide verkörpern die politischen Blöcke, beide verband eine tiefe Freundschaft, beide spielten in den modernen Zirkeln keine Rolle, aber auf den Spielplänen der Orchester, beide wurden früh zu Klassikern. Bei beiden spielte die Verehrung von Gustav Mahler und bei Britten auch die Alban Bergs eine zentrale Rolle.

 

 

Im „War Requiem“ artikuliert sich Brittens überzeugter und unbedingter Pazifismus. Er verleiht seinen literarischen Vorlagen musikalisch erschütternden Ausdruck: den englischen Gedichten Wilfred Owens über die Schrecknisse des Ersten Weltkrieges, welche als direkte Erlebnisberichte von der Front den lateinischen Text der „Missa pro Defunctis“ immer wieder konterkarieren und auch als der wirklichen Kriegserfahrung von Tod und Zerstörung nicht angemessen in Frage stellen. Eine rebellische Haltung. Trotzdem gibt es im jetzigen 2022 aktuell mindestens 25 andauernde Kriege weltweit, die in vollem Gange sind. Woran liegt das?

 

Roland Kluttig Diese Frage zu beantworten, übersteigt meine Möglichkeiten. Die Mechanismen, die dazu führen, dass immer noch täglich Menschen auf Grund von Kriegen, Gewalt oder Hunger sterben, dass Städte und Landschaften ausgerottet werden, sind leider immer noch genauso virulent wie vor dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Es wäre vermessen zu glauben, die Aufführung eines Werks wie des „War Requiem“ könne daran irgendetwas ändern. Sie kann es vielleicht in einer nicht messbaren Menge, weil sie dem Schrecken erneut eine Stimme gibt, aber große Hoffnung habe ich da nicht. Wir sehen tagtäglich die schlimmsten Bilder aus Kriegsregionen, und doch ändert sich kaum etwas. Angesichts der zunehmenden Unzufriedenheit mit dem demokratischen System – welches immerhin im größten Teil Europas und Nordamerikas für eine gewisse Weile für einen andauernden Frieden gesorgt hat – und einer fatalen Sehnsucht nach starken Männern ist ja selbst die sicher geglaubte Insel Europa auch wieder ein denkbares Schlachtfeld.

 

 

Vor vielleicht zwei Jahren sprach mich mitten im Trubel eines mitteleuropäischen Bahnhofs eine ältere Dame an und stellte mir unvermittelt eine Frage, die mich damals so beeindruckte wie verwirrte: „Können wir uns sicher sein?“ Und jetzt, vor kurzem, erreichte ich den gleichen mitteleuropäischen Bahnhof, von einem Aufenthalt in der schon in vollster Frühlingsblütenpracht stehenden Schweiz zurückkehrend: Auf allen Bahnsteigen, allen Treppen, in jedem Winkel der großen Halle sah ich ankommende Flüchtende aus der Ukraine. Familien, Alleinstehende, Alte, Kinder, große Gruppen, Einsame, einige mit viel Gepäck, andere nur mit einem kleinen Rucksack. Eine unüberschaubare Zahl, sicher zu groß, als dass die Helfenden an den eilig aufgestellten Informationsständen für alle ein Ohr hätten haben können. Mir schien, als ob vielen dieser Menschen der Ausdruck von Trauer, Angst, Hilflosigkeit, Trotz, aber vor allem von Unsagbarem tief in ihre Gesichtszüge gezeichnet sei. Deswegen möchte ich die oben erwähnte Frage ergänzen und an dich weiterreichen: „Können wir uns sicher sein? Wo? Wo wird dies enden?“

 

Roland Kluttig Ja, mittlerweile hat uns der Krieg hier in Europa erreicht. Man darf nicht vergessen, dass er in entfernteren Regionen immer präsent war, und nein, wir wissen nicht, wo das enden wird.

 

 

Mehr Informationen zu „War Requiem“ finden Sie hier.

> WEITERLESEN
SCHLIESSEN
09/10/2022 3:00pm

„Im Fluss“

Am 2. Oktober bietet das Ballett der Oper Graz mit „Im Fluss“ in Kooperation mit der Kunstuniversität Graz einen tänzerischen Spaziergang von der Oper in den Stadtpark an. Start ist um 12 und 13 Uhr, der Eintritt ist frei!

Am 2. Oktober bietet das Ballett der Oper Graz mit „Im Fluss“ in Kooperation mit der Kunstuniversität Graz einen tänzerischen Spaziergang von der Oper in den Stadtpark an. Start ist um 12 und 13 Uhr, ausgehend vom Brunnen vor dem Opernhaus. 

 

Der Eintritt ist frei!

> WEITERLESEN
SCHLIESSEN
09/10/2022 3:00pm

„Die Passagierin“ ab sofort als DVD erhältlich

In der Saison 2020/21 begeisterte Mieczysław Weinbergs „Die Passagierin“ das Opernpublikum. Nun ist die berührende Produktion in der Inszenierung von Nadja Loschky als Gesamtaufzeichnung aus der Oper Graz auf DVD erhältlich – im Ticketzentrum, online sowie im Einzelhandel.

In der Saison 2020/21 begeisterte Mieczysław Weinbergs „Die Passagierin“ das Opernpublikum. Nun ist die berührende Produktion in der Inszenierung von Nadja Loschky als Gesamtaufzeichnung aus der Oper Graz auf DVD erhältlich – im Ticketzentrum (Kaiser-Josef-Platz 10), online sowie im Einzelhandel.

 

Durch die Pandemie musste die Aufführungsserie der beeindruckenden Oper Weinbergs in Nadja Loschkys Grazer Inszenierung in der Saison 2020/21 jäh unterbrochen werden. Diese Zeit des Lockdowns wurde genutzt, um die Produktion auf CD und DVD aufzunehmen und so zu bewahren. Nach Erscheinen der CD-Aufnahme ist ab sofort die Gesamtproduktion auch auf DVD erschienen und im Ticketzentrum am Kaiser-Josef-Platz 10, 8010 Graz, zu einem Preis von 24 € erhältlich.

 

Die Passagierin

Oper von Mieczysław Weinberg in zwei Akten, acht Bildern und einem Epilog

Libretto von Alexander Medwedew, nach dem gleichnamigen Roman von Zofia Posmysz

In deutscher, polnischer, französischer, tschechischer, jiddischer, russischer und englischer Sprache

 

Besetzung

Lisa Dshamilja Kaiser
Marta Nadja Stefanoff
Tadeusz Markus Butter

Katja Tetiana Miyus
Krystina Antonia Cosmina Stancu
Vlasta Anna Brull
Hannah Mareike Jankowski
Yvette Sieglinde Feldhofer
Alte Ju Suk

Bronka Joanna Motulewicz
Walter Will Hartmann
1. SS-Mann Ivan O reščanin
2. SS-Mann David M cShane
3. SS-Mann Martin Fournier
Älterer Passagier Konstantin Sfiris
Oberaufseherin Uschi Plautz
Kapo Maria Kirchmair
Steward Adrián Berthely

Chor der Oper Graz (Einstudierung: Bernhard Schneider)
Grazer Philharmoniker unter der Leitung von Roland Kluttig

 
Werfen Sie im Trailer einen Blick hinter die Kulissen der Aufnahmen!

> WEITERLESEN
SCHLIESSEN
09/05/2022 11:00am

Miniabo zum Willkommenspreis!

Miniabo zum Willkommenspreis für drei Vorstellungen Ihrer Wahl.
Noch erhältlich bis 10. Sep 2022 im Ticketzentrum am Kaiser-Josef-Platz.

In diesem Jahr gibt es im Rahmen des Saisonauftakts ein besonderes Angebot:

Wählen Sie drei Vorstellungen der Saison 2022/23 und sparen Sie mit dem Miniabo zum Saisonauftakt bis zu 40 %!*

Erhältlich noch von 3. bis 10. September im Ticketzentrum am Kaiser-Josef-Platz.

*Ausgenommen sind die Silvester- und alle Sondervorstellungen, Gastspiele sowie das Neujahrskonzert. Nicht anwendbar auf bereits gekaufte Tickets, nicht kombinierbar mit anderen Ermäßigungen.

 

> WEITERLESEN
SCHLIESSEN