Aus dem Bücherregal des Ensembles: Marlene Hahns Literaturtipps für den Sommer


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Dramaturgin Marlene Hahn hat uns in ihr Bücherregal blicken lassen und gibt Literaturtipps von Strandlektüre über Poesie und Science Fiction bis hin zu aktuellen Gender-Debatten.

 

Was ich in letzter Zeit las …

Ferdinand von Schirachs „Schuld“ beinhaltet viele Kurzgeschichten, die aufwühlen, verstören und zum Nachdenken anregen. Und immer wieder die Schuld-Frage. Man kann das Buch nicht mehr weglegen. Diese Kurzgeschichten haben mich vor mir selbst erschrecken lassen.

 

Nora Gomringers „Monster Poems“ sind ein Muss für alle Poesie-Fans. Punkt.

 

Joachim Reibers „Duett zu Dritt“: Hier dreht sich alles um die Liebesobsessionen von neun berühmten Komponisten und man erfährt Ungeahntes – und dies auf sehr unterhaltsame Weise. Irgendwie ist es erleichternd zu lesen, wie nah und trivial Liebesleid und Liebesfreude bei Haydn und Co nebeneinander lagen.

 

Ein absolutes Muss: Juli Zehs „Corpus Delicti“ aus dem Jahre 2010 – visionär, spannend und politisch. Ein sehr wichtiges Buch, das aufwühlt und erschreckend aktuell ist: In diesem Science-Fiction-Szenario geht es um eine Gesundheitsdiktatur irgendwann im 21. Jahrhundert, die auf Vernunft und Logik fußt. Diese gibt vor, angstfreie Räume und Sicherheit zu schaffen und damit die Probleme zu lösen, die durch den Werteverfall zur Jahrtausendwende entstanden sind. In dieser Welt lebt die 30-jährige Mia Holl, die von diesem System absolut überzeugt ist, bis ihr Bruder wegen Mordes und Vergewaltigung verurteilt wird. Obwohl die DNA von Moritz im Körper des Mordopfers gefunden wird, beteuert er bis zuletzt seine Unschuld.

 

Was zum laut Lachen: Adriana Altaras „Titos Brille“ – man möchte sich in den Wortwitz Altaras hineinlegen. Sie hat die unglaubliche Fähigkeit Familienzusammenkünfte so bildhaft, laut, dramatisch, fröhlich darzustellen, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich als 80-jährige jüdische Tante nicht selbst mit dabei war und Häppchen reichte.

 

Was für den Strand, die Badewanne oder den Zug: leichte Kost mit Diane Brasseurs „Der Preis der Treue“, Philippe Djian „Marlène“ oder Gianna Molinaris „Hier ist noch alles möglich“. Letzteres lässt mich auch noch nach Wochen nicht los. Es geht um eine junge Frau, die als Nachtwächterin in einer Verpackungsfabrik arbeitet und die Zäune kontrolliert. Angeblich gibt es einen Wolf … Welche Grenzen ziehen wir, um das zu schützen, was uns lieb und heilig ist?

 

Ein Buch, das Stoff für die nächste Gender-Debatte bietet: Sophie Passmans „Alte weiße Männer“. Im Sommer 2018 trifft sich die Satirikerin und Autorin mit namhaften, weißen Männern unterschiedlichen Alters und geht der Frage nach, wer diese „alten weißen Männer“ denn seien. Unterhaltsam! Nicht nur für Feministinnen :)

 

Was ich momentan lese …

Sarah Leipcigers „Das Geschenk des Lebens“: Eine unbekannte Frau springt 1899 in die Seine … Jahrzehnte später werden ihre Gesichtszüge auf der ganzen Welt berühmt sein. Ich werde berichten! :)

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