Der Korridor: Mario Lerchenberger im Interview


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Zur Geschichte von Orpheus und Eurydike schuf der englische Komponist Harrison Birtwistle Klänge, Gefühls- und Seelenzustände und lässt beide Hauptrollen – „Man“ und „Woman“ – mit fünf Schatten (Flöte, Klarinette, Harfe, Violine, Viola, Cello) in Kommunikation treten. Hier finden Sie eine Stückeinführung in die Produktion

 

Mario Lerchenberger ist Student an der KUG und seit 2019 Mitglied des Opernstudios an der Oper Graz. Im OpernKurzgenuss „Der Korridor“, der noch bis 19. Juni auf der Studiobühne zu sehen sein wird, verkörpert er die Rolle des „Man“. In einem Blitzinterview gibt er Einblicke in seine persönlichen Eindrücke der Kurzoper.

 

Mit welchen 4 Worten würdest du deine Rolle beschreiben?

Harte Schale, weicher Kern.

 

Was fasziniert dich an deiner Rolle?

Der Bruch vom „Superhelden“ – für den es selbstverständlich ist, dass ihm alles gelingt – hin zum bis in die letzte Zelle seines Körpers Verzweifelten.

 

Was ist das Besondere an der Musik?

Dass sie so effektvoll ist. Man wird vom ersten Akkord an in diese Geschichte hineingezogen und nicht mehr losgelassen – dank des Fade-Out Effektes nicht mal am Ende des Stücks. Wie die beiden Protagonist:innen, bleiben dadurch auch die Zuhörenden in dieser Welt „gefangen“.

 

Welche Bilder entstehen bei dir, wenn du die Musik hörst?

Der Titel der Oper und die Probenarbeit beeinflussen diese Antwort natürlich. Beim ersten Anhören hätte ich wahrscheinlich anders geantwortet.

Ich sehe einen Tunnel, der zu Beginn des Stücks noch von Dämmerlicht erleuchtet wird. Je weiter man aber in der Handlung fortschreitet, umso dunkler wird es in diesem Tunnel, bis am Ende zu guter Letzt komplette Finsternis herrscht.

 

Warum glaubst du, dreht sich Orpheus um?

Orpheus liebt Eurydike über alles – naja, seinen eigenen Gesang liebt er vielleicht noch mehr ;-) Das Umdrehen ist für mich eine Kombination aus ehrlicher Sorge um sie, ausgelöst durch ihre Hysterie. Eine eindeutige „Schuldzuweisung“ gibt es für mich nicht – sie sind beide für diese Situation verantwortlich.

 

Was ist dein Lieblingssatz, dein Lieblingsmoment in der Oper?

Ich LIEBE alle Sprechsequenzen von Eurydike. Die haben für mich so viel Kraft, noch viel mehr als jede gesungene Linie in diesem Stück, eben weil es nicht gesungen ist und sich somit noch mehr von der Musik abhebt und über dieser steht. Die Zusammenstellung dieser gesprochenen Texte, die Wortkombinationen, der Inhalt, der Eurydike plötzlich zu einer ganz anderen Person werden lässt – all das finde ich einfach fantastisch.

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