Farbenreich: Gedanken von Francesco Angelico 


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Francesco Angelico dirigiert zum ersten Mal an der Oper Graz. Hier im Gespräch über seine Arbeit mit „Madama Butterfly“. 

 

Wie erzielt Puccini in der „Madama Butterfly“ klanglich japanisches Kolorit?

Während der Arbeit an „Madama Butterfly“ hat sich Puccini intensiv mit japanischer Musik beschäftigt, um das japanische Kolorit glaubwürdig darzustellen. Er bedient sich der Pentatonik und zieht aus verschiedenen Quellen originale japanische Melodien heran, die mit einer sehr feinen und durchdachten Instrumentation dargestellt sind. Im ersten Akt wird der Chor hinter der Bühne, die Freundinnen der Butterfly, von einer originalen Melodie des Kabuki-Theaters begleitet, die Puccini

mit den Fagotten und einem Streicherpizzicato bewusst betont. Indem er besondere Instrumente – wie japanische Glocken und das Tamtam – mit der Harfe oder der Celesta kombiniert, verleiht er in gelungener Weise der Partitur japanisches, oder besser gesagt exotisches Kolorit. Man darf aber nicht vergessen, dass für das damalige Publikum das amerikanische Kolorit so exotisch war wie das japanische. Berühmt ist das Zitat der späteren amerikanischen Hymne, wenn Pinkerton „America forever“ singt. Puccini lässt diese beiden völlig fremden Welten zuweilen mit unglaublich starker orchestraler und dramaturgischer Wirkung aufeinanderprallen.

 

Was war Ihrer Meinung nach 1904 so verstörend an diesem Werk, dass die Premiere zu einem skandalösen Fiasko wurde?

Schwer zu sagen. Sicher hat die Überlänge des zweiten Aktes, der damals noch nicht zweigeteilt war, eine Rolle gespielt. Einige Kritiker haben zwar die Musik gelobt und auch den künftigen Erfolg vorhergesagt. Giulio Ricordi aber und Puccini selbst sprechen davon, dass die Anhänger des Verlags Sonzogno deswegen einen Krawall künstlich inszeniert hätten, damit sich der Erfolg von Pietro

Mascagnis „Iris“, die ebenfalls in Japan spielt, behaupten könne. Und wiederum andere denken, dass die damalige tagespolitische Situation des russischjapanischen Kriegs das Publikum dazu gereizt hätte, anhand von Puccinis Oper seine antijapanische Haltung auszutoben. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass wenige Monate vor dem „Butterfly“- Fiasko ebenfalls an der Scala Umberto Giordanos „Siberia“ uraufgeführt worden war. „Siberia“ wurde von Sonzogno herausgegeben, spielt in Russland – und war ein großer Erfolg!

 

Aber bald schon stieß „Madama Butterfly“ aufein begeistertes Publikum.

Nur drei Monate nach der Uraufführung in Mailand wurde die zweite Produktion von „Madama Butterfly“ in Brescia ein Erfolg. Und zwar einer der größten in Puccinis Karriere, dank der Änderungen, Kürzungen und Verbesserungen, die Puccini und die Librettisten am Werk vorgenommen haben.

 

Wie ist es Cio-Cio-San drei Jahre lang möglich, auf Pinkerton zu warten?

Die Protagonistin wartet mit voller Überzeugung drei Jahre auf ihren Geliebten, und Puccini lässt uns diese Zeit kaum spüren, vielleicht noch am ehesten in der hochpoetischen Stimmung am Schluss des zweiten Akts im sogenannten Summchor. Von ihrer unerschütterlichen Haltung erfahren wir in ihrer berühmten Arie „Un bel dì vedremo“.

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