Fünf Fragen an Matthias Koziorowski


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Seit der Saison 2021/22 ist der Tenor Matthias Koziorowski neu im Ensemble der Oper Graz. Seine erste Partie ist in Nico Dostals Operette „Clivia“ der Juan Damigo, der in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung ist. So legt Matthias Koziorowski während einer einzigen Vorstellung respektable 2,7 km zurück. Produktionsdramaturg Bernd Krispin musste ihm also gehörig nachhecheln, um fünf Fragen beantwortet zu bekommen.

 

Nach knapp 70 Jahren steht Nico Dostals Operette „Clivia“ wieder auf dem Spielplan der Oper Graz. Was ist das Spannende, ein Werk aufführen zu dürfen, das für das Publikum und die Mitwirkenden völlig neu ist?

Matthias Koziorowski: Da ich bereits als Schüler in diversen Bereichen am Theater meiner Heimatstadt gejobbt habe, kenne ich eine große Bandbreite des gängigen Repertoires und habe mir so tatsächlich schon zahlreiche Werke mehrfach und wiederholt erarbeitet. Und besonders im Bereich der Operette ist der Kanon der gängigen Klassiker recht begrenzt. Es kommt also eine gehörige Portion Spannung und Schwung in die Probenphase, wenn anfangs niemand die Musik und den Handlungsverlauf kennt. Außerdem geht man freier und offener an seine Rolle heran, da man ja überhaupt keine Klischees und Erfahrungswerte im Kopf hat.

 

„Heut’ spricht man nur noch von Clivia“ – das trällert die Titelheldin, das trällert der Chor. Warum sollten aber auch alle von Juan Damigo singen, dem Helden, dem Tenor des Stücks?

Weil ich das schönste Kostüm des Abends habe. Aber Scherz beiseite: Die Partie des Juan ist musikalisch eher die eines in sich gekehrten Macho, der nicht grad offen mit seinen Gefühlen umgeht, gleichzeitig aber ein südländisch feuriges Temperament mitbringt. Daher darf ich im Laufe der Vorstellung vor allem glutvoll dramatische Tenorphrasen voller Schmelz singen und trage also eher zum Herzschmerz bei als zum Groove. Von daher summen sich meine Melodien wohl besser, als das man sie trällert, was sie aber nicht minder schön macht.

 

Eine Operette verlangt vom Interpreten so viel mehr als eine Oper. Zum Gesang kommen Dialog und Tanz hinzu. Was ist das Schöne an dieser Herausforderung?

Operninszenierungen sind meist doch eher statischer Natur, und besonders als jugendlich-dramatischer Tenor ist man oft eher der Leidende oder mit sich Kämpfende. Da ist die energiegeladene Mischung aus Gesang, Tanz und Dialog eine tolle Abwechslung, wenn auch eine sehr herausfordernde. Ab und zu fühlt man sich fast wie in einem Musikfilm der frühen Hollywood-Jahre, wenngleich ich nicht im Entferntesten so gut tanzen kann wie Fred Astaire.

 

Es wird seit Wochen intensiv an der Neuproduktion der „Clivia“ geprobt. Gab’s dazwischen hoffentlich genug Zeit, um auch schon etwas von Graz kennenzulernen?

Schlossberg, Rettenbachklamm, Schöckl, Shoppingtour, Schloss Eggenberg, ein Kurztrip an die slowenische Küste, Barhopping rund um den Lendplatz, Baden im Schwarzlsee … alles schon erledigt! Wenn die Tage nun kälter und nasser werden, kommen die diversen Museen, der Musikverein und das Schauspielhaus an die Reihe.

 

Und worauf darf sich das Publikum der Oper Graz noch mit Ihnen freuen im Laufe dieser Saison?

Nichts gegen die wirklich tolle und sehenswerte Clivia, aber mein persönliches Highlight der Saison wird die Premiere „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“ sein. Dort singe ich die Rolle des sympathisch zwielichtigen Räubers Babinský, und auf diesen sehr herausfordernden Part bereite ich mich nun schon seit eineinhalb Jahren vor, dementsprechend steigt die Spannung, in der kommenden Woche endlich in die szenischen Proben einzusteigen. Auch dieses Stück wird – leider – viel zu selten gespielt, ich habe es aber vor einigen Jahren sehen dürfen und dachte mir damals schon: Diesen Babinský will ich auch mal machen. Außerdem werde ich dann noch eine sehr spannende österreichische Erstaufführung mitgestalten dürfen und singe ab Februar den Peter in „Morgen und Abend“ von Georg Friedrich Haas.

 

„Clivia“ feiert am 30. Okt 2021 Premiere an der Oper Graz!

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