Hinter den Schreibtisch geblickt: Im Betriebsbüro


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Seit März des letzten Jahres stellt der Ausbruch des Coronavirus die (Musik-)Theaterwelt vor sehr große Herausforderungen. Wie plant man nun den Spielbetrieb und den internen Ablauf eines gesamten Opernhauses in diesen Zeiten? Wir haben bei Betriebsdirektor Michael Barobeck – dem Mann hinter der Disposition der Oper Graz – nachgefragt.

 

Die wie vielte Variante der aktuellen Saison planst du gerade?

Momentan plane ich die 7. Version. 

 

Was muss man intern alles bedenken, wenn man unter anderem ganze Produktionen verschiebt?

Natürlich ist vorrangig die Belastung des Ensembles und die Verfügbarkeit von Gastkünstlerinnen -künstlern und des Leadingteams zu bedenken. Der ursprüngliche Spielplan orientiert sich stark daran, vor allem in Bezug auf die die Abfolge von Vorstellungen an aufeinanderfolgenden Tagen. Dieses Gefüge kommt aber sehr rasch aus den Fugen.

 

Wie sieht es mit den Verfügbarkeiten der Künstlerinnen und Künstler aus, die ja mitunter aus dem Ausland nach Graz anreisen?

Das Problem ist, dass man kaum fixe Zusagen bekommt, da auch alle anderen Musiktheater umplanen und alles im Fluss ist. Die Künstlerinnen und Künstler blockieren Perioden, ohne Zusagen zu bekommen, da handelt die Oper Graz nicht anders: Man muss Dinge fixieren, ist gleichzeitig aber sehr vorsichtig, fixe Zusagen zu machen. Dazu ist derzeit alles zu ungewiss.

 

Wie kann man überhaupt planen, wenn eigentlich keine Sicherheit vorhanden ist?

Da jeder Lockdown stets mit einem vorläufigen Ablaufdatum kommuniziert wird, muss ich planen, als könnten wir am ersten Tag nach dem Lockdown spielen. Das bedeutet sehr viel Abstimmungsarbeit, etwa wie erwähnt das Offenhalten von Optionen ohne fixe Zusagen. Der Spielplan muss so vorbereitet sein, dass ich – sobald das Ende des Lockdowns verkündet wird und ein Spielbetrieb möglich ist – nur auf den imaginären Knopf zu drücken brauche, damit das Rad anfängt zu laufen.

 

Wie lange braucht es unter normalen Umständen eine ganze Saison zu planen? Und wie viel Vorlaufzeit hast du üblicherweise?

Üblicherweise habe ich gut 1,5 bis 2 Jahre Vorlaufzeit bis zum Beginn einer Saison. Wenn einmal alle Informationen (Stücktitel, Anzahl der Vorstellungen pro Titel etc.) auf dem Tisch liegen, ist die Planung innerhalb einer Woche möglich. Aber dann beginnt die Feinabstimmung anhand der Verfügbarkeiten der Sängerinnen und Sänger, Vermeidung von Doppelbelastungen im Ensemble etc., was wiederum ein Überdenken und Umschichten der Abonnement-Reihen notwendig macht. Die Feinabstimmung dauert gut 6 Monate – und ist im Grunde nie wirklich abgeschlossen.

 

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