Kann man sich je darauf vorbereiten?


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Bei einem Spaziergang durch Graz hat Dramaturgin Marlene Hahn 3 Fragen an Sopranistin Cathrin Lange gestellt, die die Partie der Hebamme und Signe in der Oper „Morgen und Abend“ verkörpert. Zur österreichischen Erstaufführung kommt das Werk von Georg Friedrich Haas am 12. Februar 2022 in der Oper Graz.

 

Du verkörperst gleich zwei Rollen an diesem Abend: Hebamme und Signe. Kannst du uns etwas über beide verraten? Was für Frauen begegnen uns?

Für mich sind beide Figuren Begleitfiguren zwischen zwei Welten. Die Hebamme begleitet das Kind bei der Geburt aus der Welt des Mutterleibes bis in die reale Welt. Signe, als Tochter von Johannes, begleitet oder betreut ihren alten Vater in der realen Zeit des Alterns bis hin zum Tod bzw. seiner Beerdigung.

Bei beiden spürt man eine große Fürsorge und Liebe für ihre Schützlinge. Die Hebamme überbringt dem frisch gewordenen Vater den neugeborenen Sohn mit viel Zärtlichkeit und beschreibt ihn als „hübsch“ und „wohlgestaltet“, beruhigt ihn, dass bei der Geburt alles gut gegangen ist und Mutter und Kind „wohlauf“ sind.

Signe telefoniert häufig mit ihrem Vater und besucht ihn auch regelmäßig. In dem Moment, wo er nicht ans Telefon geht und sie spürt, dass sich etwas verändert hat, wird sie gleich von schlechtem Gewissen geplagt, nicht früher nach ihm gesehen zu haben. Als sie ihn dann tatsächlich tot auffindet, wird sie von ihren Gefühlen überwältigt.

 

Gibt es Momente, Eigenschaften, Fragen, die du mit den beiden Rollen teilst?

Da ich selbst zwei Kinder habe, ist mir dieser Moment kurz nach der Geburt so ein Neugeborenes in den Armen zu halten natürlich vertraut, wobei es sicher einen emotionalen Unterschied macht, ob man nun selbst Mutter wird, oder als Hebamme ein Kind in den Händen hält.

Ich bin froh, dass meine Eltern beide noch leben und ich noch keinen von beiden in den Tod begleiten musste. Aber man macht sich natürlich Gedanken, wie der Moment wohl sein wird. Werde ich im konkreten Zeitraum bei ihnen sein können, oder wird es überraschend sein? Wird es ein langsamer Prozess, bei dem man sich vorbereiten kann? Kann man sich je darauf vorbereiten seine Eltern zu verlieren?

 

Was lösen dieses Werk, die Musik, die aktuelle Probenarbeit in dir aus?

Dieses Werk und überhaupt das Thema Tod oder Sterben klammert man, oder vielleicht nur ich, gerne aus. Hier bin ich tatsächlich gezwungen, mich damit auseinander zu setzen. Wenn man in eine Rolle schlüpft und diese auch realistisch verkörpern möchte, braucht man als Darstellerin Bilder und Emotionen. Zum einen helfen die Ideen des Regisseurs sowie die eigenen Erfahrungen oder Gefühle, zum anderen die Musik, die Klänge, die Rhythmen dieser außergewöhnlichen Komposition.

 

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