Mit „Aria“ in die Sommerpause 


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Wenngleich mittlerweile die Kinos wieder spielen dürfen, geht doch die Oper Graz auf Sommerpause. Um die nächsten Wochen nicht völlig opernlos verbringen zu müssen, hat unser Dramaturg Bernd Krispin für die heutige, letzte Ausgabe des Opernkinomontags einen Film ausgewählt, der ausschließlich die Gattung Oper zum Inhalt hat: „Aria“, ein britischer Episodenfilm aus dem Jahre 1987.

Zehn verschiedene Regisseure – darunter Größen wie Robert Altman, Jean-Luc Godard, Derek Jarman und Ken Russell – präsentieren Opernausschnitte vom Barock („Armide“ von Jean-Baptiste Lully und „Les Boréades“ von Jean-Philippe Rameau) über Giuseppe Verdi („Rigoletto“, „Un ballo in maschera“ und „La forza del destino“), Leoncavallos „Pagliacci“ und Puccinis „Turandot“ bis hin zu Richard Wagners „Tristan und Isolde“ und Erich Wolfgang Korngolds „Die tote Stadt“. Aus letzterer präsentiert Bruce Beresford mit dem Duett „Glück, das mir verblieb“ die vielleicht konventionellste Umsetzung der Vorlage, und ähnlich nah an der ursprünglichen Handlung ist Nicolas Roeg in seiner Deutung von „Un ballo in maschera“, in welcher der König von Albanien eine außereheliche Liaison (übrigens mit der jungen Theresa Russell) pflegt und Ziel einer Attacke wird. Das erotisch Freizügige von „Rigoletto“ findet sich in Julian Temples Beitrag, der zwei Ehepaare auf außerehelichen Abwegen im selben Motel nächtigen lässt. Robert Altman siedelt „Les Boréades“ in einer geschlossenen Anstalt an, und Jean-Luc Godard lässt zu „Armide“ zwei Putzfrauen in einem Fitnessstudio junge Herren beim Muskelaufbau begehrlich beobachten. Diese sind jedoch so dem Training zugetan, dass selbst ein Stripp der Damen ihre schweißtreibende Konzentration nicht stören kann. Derek Jarman lässt zum melancholischen „Depuis le jour“ aus „Louise“ eine alternde Operndiva ihre letzte Vorstellung geben und sich dabei, dargestellt von Tilda Swinton, an ihre Jugend erinnern. Zu den Klängen von Isoldes „Liebestod“ fährt ein junges Paar durch die Weiten der USA, liebt sich ein letztes Mal und sucht den gemeinsamen Freitod. Doch am freisten, gewagtesten und gerade deswegen am überzeugendsten entfernt sich Ken Russell in seiner Umsetzung der Arie „Nessun dorma“ aus „Turandot“ von der Vorlage, da er Puccinis Musik dem surrealen Traum einer jungen Frau während einer lebensrettenden Operation unterlegt.

 

Egal, ob an einem Opernkinomontag oder aufgeteilt auf die nächsten zehn Wochen – dank folgender Anbieter lässt sich dieser ungewöhnliche Opernfilm genießen:

https://www.werstreamt.es/film/details/37551/aria/

 

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