Nach „Tosca“ auf den Kasematten ist vor „Die Macht des Schicksals“ in der Oper Graz


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Gerade erst war Jordan Shanahan als Einspringer für Sir Bryn Terfel in der Rolle des Scarpia in „Tosca“ auf den Kasematten zu erleben, kurz nachdem die Proben zur diesjährigen Eröffnungspremiere in der Oper Graz begonnen hatten. In einer Pause von den szenischen Proben zu „Die Macht des Schicksals“ schenkt Jordan Shanahan unserer Dramaturgin Marlene Hahn exklusive Einblicke!

 

Du bist als Scarpia in „Tosca“ kurzfristig eingesprungen: Wie war es für dich? Wie ist es gelaufen?

Der Tosca-Einsprung war ein Wirbelwind-Erlebnis! Auf der Fahrt nach Graz, um dort mit den szenischen Proben zu „Die Macht des Schicksals“ zu beginnen, erhielt ich den Anruf und die Anfrage, ob ich auf den Kasematten einspringen kann. Die nächsten 24 Stunden verbrachte ich damit, mich auf die Vorstellung vorzubereiten. Der Auftritt selbst hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Es fällt leicht, in eine Figur einzutauchen, wenn die Kolleg:innen, die neben dir stehen, so überzeugend und kraftvoll agieren und ihre Rollen verkörpern wie Jonas Kaufmann und Kristīne Opolais. Sobald dann auf der Bühne meine Rolle „übernimmt“, wird alles andere einfacher für mich. Nichts ist jemals perfekt, aber ich war mit der Erfahrung insgesamt sehr zufrieden.

 

Und jetzt Verdi! Deine erste Probe war gestern. Wie ist es gelaufen? Was liebst du an dieser Rolle?

Don Carlo di Vargas ist eine meiner Lieblingsrollen: die Musik ist spektakulär und die Rolle faszinierend. Wenn man ihn zum ersten Mal betrachtet, analysiert, ist er kein sehr sympathischer Charakter: gewalttätig, rassistisch, besessen und unversöhnlich. Aber ich sehe, dass Don Carlo an einer Vielzahl von psychischen Problemen leidet und das zu einer Zeit, in der man für solche Leiden kein Verständnis zeigte, sie missdeutete. Seine obsessive Natur in Verbindung mit dem Trauma, das er erlitt, bedeutet, dass sein „Schicksal“ von diesen Problemen aufgezehrt wird. Für mich ist er eher ein tragischer Charakter als ein echter Bösewicht. Ich bin begeistert von der Herangehensweise, die diese Produktion verfolgt. Wir hatten einen großartigen Start und ich freue mich darauf, die großen Duette mit Alvaro anzugehen, die den Kern der Geschichte bilden.

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