Filmtipp: „Fiddler on the Roof“ 


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Im ersten Lockdown hat Cineast Bernd Krispin im Rahmen seiner Serie „Opernkinomontag“ Filme, in denen Opernmusik dramaturgisch verwendet wird, präsentiert. Nun sind wir mitten im zweiten Lockdown und müssen momentan auf Liveaufführungen verzichten. Wer sich auf die heutige Vorstellung von „Anatevka“ gefreut haben mag, hat wenigstens die Alternative, die legendäre Verfilmung des „Fiddlers on the Roof“ anzusehen.

 

Die Uraufführung des „Fiddlers on the Roof“ war 1964 am Broadway ein derartiger Erfolg, sodass der Wunsch der Filmindustrie nur allzu verständlich war, die Geschichte von Tevje, dem Milchmann, von dessen Frau Golde und deren fünf Töchtern, auf die Filmleinwand zu bringen. Wenngleich auch am Broadway Zero Mostel als Tevje maßgeblich am sensationellen Erfolg der Bühnenaufführung hatte, so entschied sich der Filmregisseur Norman Jewison gegen Zero Mostel und wählte für die Verfilmung Chaim Topol aus, der die Rolle bereits in London gespielt hatte. In der Verfilmung ist Anatevka in allen Details zu erleben, und schon in der Eröffnungssequenz führt Tevje den Kinobesucher durch das Schtetl. Einige der Begebenheiten, die in der Bühnenversion nur erzählt werden, sind im Film augenscheinlich zu erleben: So die Verhaftung des revolutionären Hitzkopfs Perchik während eines Aufstands in Kiew, so die Unterredung Goldes mit dem orthodoxen Popen, von dem sie erfahren muss, dass ihre dritte Tochter Chava den Russen Fedja geheiratet hat. Unterschiede gibt es auch in der musikalischen Umsetzung, denn es entfallen der Song „Now I Have Everything“ und die aberwitzige Szene „The Rumor“, in der das Gerücht von Perchiks Verhaftung die verrücktesten Verdrehungen erfährt. Für den Film neu komponiert wurde ein Song für Perchik – „Any Day Now“ –, welcher allerdings in der endgültigen Version nicht zu sehen ist. Eine musikalische Besonderheit, die kein Theater der Welt leisten kann, bietet der Soundtrack auf, denn Stargeiger Isaac Stern spielte die Passagen des titelgebenden Fiedlers auf dem Dach ein.

 

Das fiktive Schtetl Anatevka ist in der Ukraine angesiedelt. Der Film wurde in den Pinewood Studios in englischen Buckinghamshire gedreht, und für die Außenaufnahmen reiste man nach Kroatien. Wie schon die Broadwayproduktion, so wurde auch die Verfilmung mit Preisen geradezu überhäuft. Bei insgesamt acht Oscarnominierungen gab es drei Goldstatuetten, und Topol erhielt für seine Darstellung des Tevje einen Golden Globe Award. Als der „Fiddler on the Roof“ in die deutschsprachigen Kinos kam, wurden auch die Songs auf Deutsch gesungen. Zu hören sind u. a. Yossi Yadin als Tevye, Lya Dulizkaya als Golde, sowie Peter Fröhlich als Mottel.

 

Wer die Zeit bis zur nächsten Liveaufführung von „Anatevka“ mit dem Film überbrücken möchte, kann den Film über folgende Anbieter beziehen:

https://www.werstreamt.es/film/details/42606/anatevka/

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