Vorgestellt: Jo Strømgren


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Du bist ein sehr vielfältiger Künstler. Hast du eine Kunstform, die du ganz besonders magst?

Ich liebe das Puppentheater. Im Gegensatz zu uns Menschen können und dürfen Puppen alles sagen.

 

 

Du hast eine besondere Affinität zu den Buchstaben S C H. Woher rührt diese?

Es ist das Geräusch, das man macht, um jemanden in den Schlaf zu wiegen. Oder wenn jemand stirbt. Deshalb habe ich für diesen Abend Kompositionen von Franz Schubert, Robert Schumann, Frédéric (S)chopin, Carl Maria von (Sch)weber und Bedřich S(ch)metana ausgewählt (lacht).

 

 

Was fasziniert dich an der Verbindung von Tod und Kunst?

Kunst befasst sich mit Problemen, Dilemmas und Fragen – und der Tod wird auf dieser Liste immer ganz oben stehen. Wir können nicht viel über den Tod sagen, da wir ihn alle noch nicht erlebt haben. Aber er ist ein guter Anlass, um über das Leben nachzudenken.
Was wir hier und jetzt haben, ist endlich, und wir sollten uns darauf konzentrieren, die Zeit gut zu nützen.

 

 

Du bist nicht nur Choreograph, sondern entwickelst auch die Ausstattung, die Texte und konzipierst die Musikauswahl. Ist es manchmal kompliziert, quasi alles zu machen im künstlerischen Prozess?

Ganz im Gegenteil. Ich denke, Kunst funktioniert am besten, wenn sie direkt zwischen dem Künstler und dem Empfänger vermittelt. So war das doch schon in der Steinzeit, als man sich gegenseitig Geschichten am offenen Feuer erzählte. Tanz ist natürlich eine kollaborative Kunstform, aber wenn es zu viele Meinungen und Sichtweisen gibt, wird sie ein wenig verschwommen. Wenn ich für mehr als die Choreographie verantwortlich bin, nähere ich mich mehr dem Prinzip „von Geist zu Geist“ an. Es besteht dabei natürlich ein gewisses Risiko an Dilettantismus, aber ich inszeniere und schreibe nun seit 25 Jahren und denke manchmal, dass ich darin besser bin als im Choreographieren.

 

 

Was machst du ganz zu Beginn eines kreativen Prozesses?

Ich beginne immer mit einer Episode oder Alltagssituation, vor allem solchen mit einem unklaren Ausgang, je banaler, desto besser. Dann versuche ich, diese Situation in einen komplexeren und universelleren Rahmen zu setzen. Auch wenn das Ergebnis abstrakt ist, ist der Ausgangspunkt immer etwas Menschliches.
Es ist zum Beispiel gar nicht so einfach, ein Bett faltenfrei mit einem Leintuch zu bespannen. Das klingt banal, aber es gibt uns ein klares Bild davon, wie hilflos wir eigentlich sind. Und dieses Gefühl haben wir auch bei existenziellen, größeren Fragen, zum Beispiel bei geopolitischen Angelegenheiten.

 

 

Tanzt du noch selbst?

Ja, ich tanze noch selbst, aber mit dem größten Respekt für die Tänzer, mit denen ich arbeite. Ich würde niemals versuchen, ihnen die Show zu stehlen – das könnte ich mit 48 Jahren auch nicht. Falls ich das überhaupt jemals gekonnt habe (lacht).

 

 

Deine Stücke unterscheiden sich immer extrem voneinander. Was können wir bei „Zum Sterben zu schön“ erwarten? Wohin entführst du uns?

An einen Platz, wo alle vereint sind, die Lebenden und die Toten.

 

 

Wie würdest du den folgenden Satz beenden: Ich bin froh …

… wenn das Publikum beim Nachhausegehen das Gefühl hat, dass das Leben ein wenig besser ist als zuvor.

 

 

Der Norweger Jo Strømgren wird von vielen klassischen und zeitgenössischen Kompanien als Choreograph beauftragt und ist derzeit Hauschoreograph des Norwegischen Nationalballetts. Er arbeitet als freischaffender Choreograph, Regisseur, Bühnenbildner und Autor, darunter für zahlreiche internationale Tanzkompanien wie das Ballett der Wiener Staatsoper, das Royal Swedish Ballet, Goteborgs Operans Danskompani oder das Danish Dance Theatre. Seine 1998 gegründete, international tätige Jo Strømgren Kompani tritt in über 50 Ländern auf.

 

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