Perchik im Rampenlicht 


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Perchik zählt zu jenen auserwählten jüdischen Studenten, die überhaupt an einer Universität studieren dürfen. Das Leben in der Großstadt öffnet seinen Blick, die strengen Zugangsbestimmungen zur Ausbildung erklären aber auch seine Radikalisierung. Nach dem Studium in Kiew verschlägt es Perchik ins Schtetl Anatevka, wo er sogleich Zeuge wird, wie die Schtetlbewohner sich lustvoll über Kleinigkeiten streiten können. Mit seinen pointierten Bemerkungen erregt er die Aufmerksamkeit von Tevje, der den jungen Mann nicht nur zum Sabbatmahl lädt, sondern der ihm zudem die Erlaubnis erteilt, seinen Töchtern gegen Kost und Logis Hausunterricht zu erteilen. Perchiks unkonventionelle Sicht auf die Tora prägt seinen Unterricht, der in einer kühnen Erkenntnis kulminiert: „Traue niemals einem Arbeitgeber!“ kulminiert.

Hodel, Tevjes Zweitgeborene, folgt dem Unterricht aufmerksam und lässt sich gerne von Perchik etwas vom Leben in der Großstadt erzählen und auch zeigen, welche Tänze dort die jungen Menschen gemeinsam tanzen. Mag ihr Vater Tevje einen Fiedler auf dem Dach haben, mit dem er sich zuweilen austauscht, so hat Perchik die Fähigkeit, den Fiedler zum Tanz aufspielen zu lassen.

Dank seines scharfen Blicks für die zwischenmenschlichen Verhältnisse erkennt Perchik die kleingeistigen Streitereien auf der Hochzeit von Tevjes Erstgeborener, Zeitel, mit dem armen Schneider Mottel Kamzoil als bedeutungslos. Was einzig und allein zählt, ist die Liebe der beiden, nicht, was die Heiratsvermittlerin Jente angebahnt, nicht, was Tevje mit dem Fleischer Lazar Wolf ausgehandelt hat. Die ohnedies schon erhitzte Stimmung auf der Hochzeitsfeier weiß er durch eine kühne Grenzüberschreitung zu steigern: Er fordert eine Frau zum Tanzen auf. Und da selbst der Rabbi nichts dagegen einzuwenden weiß, willigt Hodel in diesen Tanz mit Perchik ein. Tevje tut es seiner Tochter gleich und tanzt mit seiner Frau Golde. Nun ist der Bann gebrochen, und Frauen und Männer tanzen gemeinsam.

Bevor Perchik nach Kiew aufbrechen muss, bespricht er mit Hodel eine wichtige gesellschaftspolitische Frage – er erkundet ihre Haltung zur Ehe. Für ihn spiegeln sich in ihr Einigkeit und Solidarität, für Hodel wiederum ist Zuneigung von entscheidender Bedeutung. So herrscht Übereinstimmung, und Hodel nimmt Perchiks Heiratsantrag an. Einmal mehr ist Tevje von der Herzensentscheidung seiner Tochter verblüfft – und akzeptiert sie doch, weil er die Liebe zwischen den beiden anerkennt. Und die Liebe Hodels zu Perchik ist so groß, dass sie ihr Elternhaus verlässt, um dem Mann ihres Herzens nach Sibirien zu folgen.

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