Zwischen Hier und Jetzt


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Auf einen English-Tea mit Matthias Koziorowski, der die Partie des Peter in der Oper „Morgen und Abend“ verkörpert, und Dramaturgin Marlene Hahn. 

 

Wer ist Peter?

Er ist bzw. war der Freund von Johannes, Hauptcharakter der Oper, und beide sind gemeinsam als Fischer zur See gefahren. Ich vermute, dass sie sehr enge Freunde waren, vielleicht sogar die sprichwörtlichen Sandkastenfreunde. Mittlerweile ist Peter aber bereits verstorben und tritt quasi aus dem Jenseits auf.

 

Was ist deine Vermutung, warum Peter auftaucht?

Als bester Freund von Johannes ist er ein wichtiger Teil seines Lebens und damit auch Teil seines Sterbens. Von der Mythologie her betrachtet nimmt Peter quasi die Rolle des Fährmannes ein, der den Toten hinüber geleitet. Ich vermute, dass Fischer ein sehr enges Kollegenverhältnis zueinander haben, da sie ja gemeinsam ihr Leben für den Beruf einsetzen, auch wenn das jetzt etwas dramatisiert ausgedrückt ist. Somit ist der Wert, den Peter und Johannes für das Leben des jeweils anderen haben wahrscheinlich deutlich höher als, zum Beispiel, bei befreundeten Bürokollegen.

 

Was löst dieses Werk, die aktuelle Probenarbeit in dir aus?

Um ehrlich zu sein, hat es bei mir zunächst Respekt und ein Stück weit Konfusion ausgelöst. Die Sängerpartien sind nicht gerade leicht zu lernen und zu singen, außerdem ist es meine erste Berührung mit zeitgenössischer Musik in einem so großen und professionellen Rahmen. Mittlerweile hat sich das aber gelegt und es ist einer Art Neugierde gewichen, sich mit diesem recht speziellen aber eben doch allgegenwärtigen Thema des Sterbens auseinander zu setzen. Seit wir in die direkte Probenarbeit eingestiegen sind, muss ich außerdem sehr oft daran denken, wie ich vor guten drei Jahren meine Oma beim Sterben begleitet habe und sehe viele Parallelen zu unserem Stück. Nach den heiter quirligen Premieren „Clivia“ und „Schwanda“ ein sehr starker Bruch.

 

Die Musik in 5 Begriffen ausgedrückt …

Mh, ob fünf reichen? Sphärisch, geräuschhaft, bewegend, beeindruckend laut und leise, teils ungewohnt.

 

Für wen ist diese Oper geschrieben? Eine Empfehlung deinerseits?

Wer, wie ich, düstere skandinavische Thriller und Krimis liebt, der ist hier genau im richtigen Sujet. Natürlich geht es bei „Morgen und Abend“ nicht um einen Kriminalfall, aber die Erzählweise und was genau im Stück verhandelt wird, erinnert mich immer wieder an Romane des „Nordic Noir“. Berührungsängste auf Grund der vermeintlich modernen Musik braucht man sicher nicht zu haben! Natürlich ist es keine Oper, bei der man melodienpfeifend nach Haus spaziert, aber die Musik schafft es auf nahezu perfekte Weise genau die Klänge abzubilden, die ich mit einem Dasein zwischen Hier und Jetzt verbinden würde.

 

„Morgen und Abend“ feiert am Sa, 12. Feb 2022 als österreichische Erstaufführung Premiere an der Oper Graz.

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