Konzerte und Konzerte in der Oper Graz

Eröffnungskonzert 2022/23

Benjamin Britten (1913–1976): „Four Sea Interludes“ op. 33a aus „Peter Grimes“ für Orchester (1945)
Richard Strauss (1864–1949): „Vier letzte Lieder“ AV 150 – TrV 296 (1948)
Martin Smolka (*1959): „Blue Bells or Bell Blues“ (2011)
Leoš Janáček (1854–1928): „Sinfonietta“, op. 60 (1926)

 


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Die Eröffnungskonzerte der Grazer Philharmoniker in der Oper Graz haben immer einen starken Bezug zum Opernprogramm der jeweiligen Spielzeit. Die heurige Saison wird mit einer szenischen Umsetzung von Benjamin Brittens „War Requiem“ auf der Bühne der Oper Graz eröffnet. Anlass für diese Komposition war die Bombardierung und Zerstörung der Stadt Coventry durch die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Benjamin Brittens anderes großes Hauptwerk ist seine Oper „Peter Grimes“, die er während des Krieges in Amerika – wohin er geflohen war – schuf. Die Oper reflektiert einerseits die Urkraft des Meeres, andererseits aber auch jene Prozesse in menschlichen Gemeinschaften, die Ausgrenzung entstehen und Vorurteile in Vorverurteilung münden lassen. Prozesse, die auch zur Verbreitung des Faschismus in jenen Jahren in Europa geführt haben. Die „Four Sea Interludes“ aus „Peter Grimes“ sind somit weit mehr als nur Reflexionen über das Meer und seine Anwohner:innen. Sie sind aber auch ein sehnsuchtsvoller Blick des jungen Britten aus dem amerikanischen Exil auf seine Heimat – die raue englische Ostküste.

Aus dem Exil in der Schweiz, wohin er sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zurückgezogen hat, blickt der alte Richard Strauss verzweifelt auf das zerstörte Europa. Die „Vier letzten Lieder“ sind vielleicht sein persönlichstes Werk. Noch einmal beschwört er die unwiederbringliche Schönheit solcher Momente, wie sie ihm im berühmten Terzett am Ende des „Rosenkavalier“ gelungen war. Eben dieses Terzett lag auf Benjamin Brittens Schreibtisch, als er für „Peter Grimes“ einen besonders intimen, berührenden Moment für drei Frauenstimmen schuf.

Flurina Stucki, eine junge Schweizer Sopranistin, wird die Solistin bei den „Vier letzten Liedern“ sein und auch in Brittens „War Requiem“ den Sopran-Part gestalten.

 

Zwei bedeutende tschechische Opern werden in diesem Jahr an der Oper Graz herausgebracht: Smetanas „Die verkaufte Braut“ und Janáčeks „Katja Kabanova“. Grund genug, den zweiten Teil dieses Konzerts der tschechischen Orchestermusik zu widmen: Janáčeks großartige „Sinfonietta“ mit ihrer Fanfare von zwölf Trompeten ist eine Liebeserklärung Janáčeks an seine Heimatstadt Brünn und korrespondiert auch deshalb sehr gut mit den Werken des ersten Teils.

Einer der bedeutendsten zeitgenössischen tschechischen Komponisten in diesem an großen Komponisten zu jeder Epoche reichen Land ist Martin Smolka. Sein Werk „Blue Bells or Bell Blues“ reflektiert und erforscht auf faszinierende Weise den Klang der Glocken und bildet somit wiederum eine Brücke zu den Kirchenglocken in Brittens zweitem der „Four Sea Interludes“ und zum „War Requiem“, in dem der Klang von Kirchenglocken – auch als Symbol für ihre Zerstörung im Krieg – eine zentrale Rolle spielt.

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