Oper

War Requiem

Benjamin Britten

Texte nach der Missa pro Defunctis und Gedichten von Wilfred Owen, op. 66
In englischer und lateinischer Sprache mit deutschen Übertiteln

 

Empfohlen ab 15 Jahren

 


Content

Am Abend des 14. Novembers 1940 fielen Tausende glühende Feuerbälle der deutschen Luftwaffe vom Himmel und zerstörten die Stadt Coventry, nahmen hunderten Menschen das Leben. Viele Jahre später entschied man sich, die Ruinen der Kathedrale als Mahnmal zu erhalten und einen neuen Kirchenbau daran anzuschließen, um dem Wunsch der Zeit nach Erinnerung und Versöhnung Ausdruck zu verleihen.
Der englische Komponist und Pazifist Benjamin Britten erhielt den Auftrag, ein Werk zur Einweihung der neuen Kathedrale von Coventry zu schreiben, welches mit seinem Symphonie- und Kammerorchester, Knabenchor, gemischtem Chor, Sopran, Tenor und Baritontief bewegt, mitreißt, Brücken über Unvorstellbarem baut, und über das Britten resümiert: „Dieses Requiem ist vielleicht das wichtigste Werk, das ich jemals geschrieben habe.“ Kongenial lässt er die Traditionen der Totenmesse auf die schmerzvollen, hoffnungssuchenden Worte des Lyrikers und Soldaten Wilfred Owen treffen, ein Appell der Versöhnung.
Lorenzo Fioroni, der Regisseur der gefeierten und preisgekrönten „Griechischen Passion“ und des Opern-Doppelabends „Cavalleria rusticana“ & „Pagliacci“, kehrt für dieses Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts zurück nach Graz, greift die Erinnerung der Zerstörung, die Hoffnung auf ein friedliches Morgen auf und verwandelt das Opernhaus selbst in einen Ort jenseits des Gewohnten. Zwischen den Orchestern und Nationen entsteht dabei ein packender Dialog der Emotionen und Ängste, der unter der musikalischen Leitung des Chefdirigenten Roland Kluttig steht. Dabei bricht immer wieder die Stimme des Soldaten Wilfred Owen durch, die uns zuruft: „Was für Totenglocken läuten denen, die wie Vieh sterben? / Nur die ungeheure Wut der Geschütze / Nur das scharfe Knattern der ratternden Gewehre / Kann ihre hastigen Gebete herniederprasseln …“
Er starb mit 25 Jahren, vier Tage vor dem Ende des Ersten Weltkrieges.

 

Ohren auf! Regisseur Lorenzo Fioroni, Chordirektor Bernhard Schneider und Dramaturg Bernd Krispin über das Oratorium „War Requiem“ von Benjamin Britten, erstellt von Lukas Mimlich

 

 

Nicht nur live, sondern mittendrin: Sitzplatzsituation

In Lorenzo Fioronis Inszenierung erwartet das Publikum nicht nur ein außergewöhnliches Bühnenbild, sondern auch eine teils veränderte Sitzplatzsituation, die das Live-Erlebnis noch unmittelbarer gestaltet. Neben den gewohnten Plätzen im Zuschauerraum der Oper Graz bietet sich auch die Möglichkeit, Tickets für Plätze auf der Bühne zu erwerben. Mitten im Geschehen sitzend, lässt sich dieses Ausnahmewerk, interpretiert von zwei Orchestern, drei Solist:innen und mehreren Chören, aus gänzlich neuen Blickwinkeln wahrnehmen.

 

Aufgrund der besonderen Bühnenarchitektur sind die Übertitel vom Podium aus nicht einsehbar. Wir bitten um Ihr Verständnis!

 

Um „War Requiem“ aus beiden Perspektiven – klassisch aus dem Zuschauerraum oder mittendrin auf der Bühne sitzend – erleben zu können, haben wir ein besonderes Angebot für unser Publikum: Gegen den Vorweis des Tickets für Ihren ersten Besuch von „War Requiem“ erhalten Sie ein Ticket für den zweiten Besuch um den halben Preis. Erhältlich im Ticketzentrum am Kaiser-Josef-Platz 10, 8010 Graz.

 

Erleben Sie diesen eindrucksvollen Abend und lassen Sie die Perspektiven auf sich wirken.

Die Inszenierung von „War Requiem“ bietet auch Sitzplätze mitten im Bühnengeschehen.

Pressestimmen

„Ein großer Wurf zur richtigen Zeit. […] Hochspannendes Musiktheater gibt es zu Saisonbeginn in der österreichischen, sogenannten ‚Provinz‘. [… Regisseur Lorenzo Fioroni] entwickelt seine Regiearbeit ganz aus der Musik Brittens heraus, ja verstärkt diese großartige, tief berührende Schöpfung noch.“ (Das Opernglas/Thomas Rauchenwald)

 

[…]Chefdirigent Roland Kluttig findet mit den Grazer Philharmonikern eine wunderbare Einheit der heterogenen Stilebenen, hochdifferenzierten Klang mit aller nötigen Akzentuierung, während Johannes Braun das kleine Kammerorchester ebenso verlässlich und akkurat betreut. Der Chor, dessen Mitglieder szenische Daueraktivität bieten müssen, klingt großartig homogen. Und auch die Solistin und die zwei Solisten, die im Zentrum des Geschehens stehen, überzeugen voll und ganz: Sopranistin Flurina Stucki
gibt mit dramatischer Wucht eine Art von einmal wütender, einmal innig bittender Kriegsbotin,
Matthias Koziorowski ist beeindruckend nahe am Typus des Britten- Tenors: mit gemeißelter Diktion, kraftvoll, fokussiert und hell, Bariton Markus Butter vereint markante Kraft mit lyrischer Weichheit. Die
beiden Letzteren geben sich mit vollem darstellerischen Einsatz auch wie zwei alte Kumpels Trost und
Versöhnung – und verkörpern die Utopie, dass aus Feinden Freunde werden können. (Der Standard /Daniel Ender) 

 

Üppig bebilderte Saisoneröffnung
[…] Fioroni hat für die selbst erfundene Fabel den gesamten Bühnenraum mit der skurill bebilderten Begräbnisfeier ausgefüllt, den überdeckten Orchesterraum und zum Teil auch das Parterre und die Logen bespielt und das Publikum zum Bestandteil seiner Inszenierung gemacht. […] Diesmal ist als erstes auf die hervorragende Leistung von Chor- und Extrachor (Leitung: Bernhard Schneider) einzugehen. Es war geradezu unglaublich, wie homogen und klangschön der heikle Chorpart (auswendig und bei beträchlicher darstellerischer Belastung!) wiedergegeben wurde. Großes Kompliment! In dieses Kompliment ist auch die Singschul‘ des Hauses (Leitung: Andrea Fournier) einzubeziehen. Auch die drei Solopartien sind bestens besetzt. Erstmals erlebte man auf der Grazer Opernbühne die Schweizer Sopranistin Flurina Stucki. Sie bewältigte die exponierte Partie hervorragend. Die beiden männlichen Solisten stammen aus dem Grazer Ensemble. Markus Butter passt mit seinem viril-markanten Bariton ideal für die von Benjamin Britten ursprünglich für Dietrich Fischer-Dieskau konzipierte Partie. Klar und wortdeutlich, aber auch lyrisch sehr schön abgestimmt war er eine Idealbesetzung. Matthias Koziorowski ist mit seinem hellen und höhensicheren Tenor grundsätzlich ausgezeichnet für die Peter-Pears-Partie geeignet. […]
Es war eine spektakuläre Saisoneröffnung, die das Publikum merkbar packte und einhellig großen Beifall auslöste. (Der Opernfreund/Hermann Becke)

 

Brittens „War Requiem“ als mitreißendes Kaleidoskop in Graz
Gelungene musikalische Umsetzung und spannende szenische Auflösung
Die Grazer Oper hat am Samstag die Saison mit einem Oratorium eröffnet. Benjamin Brittens gewaltiges „War Requiem“ wurde mit zwei Orchestern, Chor, Kinderchor, Ballett, zwei Sängern und einer Sängerin auf die Bühne gebracht. Die szenische Umsetzung besorgte Lorenzo Fioroni, der eine Gesellschaft im Krieg zeigt, deren Gier nach Leben und Überleben ihr Handeln prägt. Dirigent Roland Kluttig und die Grazer Philharmoniker setzten die Musik eindrucksvoll um. […] Regisseur Lorenzo Fioroni erzählt keine Geschichte, sondern stellt kaleidoskopartig Bilder nebeneinander, die immer wieder Menschen und ihre Tätigkeiten zeigen, von miteinander streiten über tanzen bis hin zur Polonaise der Debütantinnen und Debütanten auf einem Ball. Der Tod ist allgegenwärtig, ob nun die jungen Menschen in Ballkleidung plötzlich zu Boden sinken oder ein Baby stirbt. Mitten im Geschehen zwei Soldaten, die beide vom Kampf schwer gezeichnet sind. Tenor Matthias Koziorowski zeigt einen Mann mit schweren Nervenschäden. Er spielt ihn eindringlich, singt ihn aber noch viel eindringlicher, darüber hinaus wortdeutlich und mit heller Durchschlagskraft. Bariton Markus Butter ist mit weicher Stimmer der resignierte, ebenfalls zerstörte Gegenpart. Wie ein schriller Todesengel wirkt Flurina Stucki, deren Stimme einige Schärfe aufweist, was aber in diesem Fall gut passt. Ein eindringlicher, bewegender Abend, der allein schon wegen der hervorragenden Protagonisten Lust auf eine ganze Britten-Oper in diesem Haus macht. (APA/Karin Zehetleitner)

 

Saisonstart mit Kriegsabgesang

Großer Premierenabend in der Oper Graz eingebettet in eine weltpolitische Kulisse, die das Stück in seiner zeitlosen Bedeutung erschreckend aktuell macht!
(Premierenbericht auf ORF-Stmk und Kultur Heute auf ORF III)

 

Wissenswertes rund um die Produktion

Vorstellungen

Derzeit keine